Albumkritik: Hot Chip – Why Make Sense?

Hot Chip – Why Make Sense?

Die Londoner Elektro-Popper HOT CHIP sind zurück mit einem neuen Album, in dem sie sich vor allem mit der Frage nach einem würdevollen Altern in der Musikszene beschäftigen. Wir haben reingehört und geben nun Antwort auf das Rätsel: Ist Why Make Sense? hot or not?

Hot Chip

Die Jungs um Frontman Alexis Taylor plagen tatsächlich mit Mitte 30 schon gewisse künstlerische Existenzängste, was die Bespielbarkeit von Clubs mit ihrer Musik angeht. Ist das Business wirklich so knallhart oder sind die Engländer da einfach auch sehr selbstkritisch? Dies zu beurteilen liegt natürlich nicht in meiner Hand allein, doch vielleicht kann ich euch am Ende zumindest mal grünes oder rotes Licht für euren Plattenspieler daheim geben.

Hot Chip

Die Jungs um Frontman Alexis Taylor plagen tatsächlich mit Mitte 30 schon gewisse künstlerische Existenzängste, was die Bespielbarkeit von Clubs mit ihrer Musik angeht. Ist das Business wirklich so knallhart oder sind die Engländer da einfach auch sehr selbstkritisch?

Track by Track

Der Opener Huarache Lights bekommt volle 10 Punkte, da man gar nicht herumkommt, sich mehr oder weniger gekonnt mitzubewegen. Verspielte Melodien in liebevoller Symbiose zur sexy Stimme von Taylor oder der einer künstlichen Intelligenz – hier muss der Vergleich mit Daft Punk einfach mal kurz erwähnt werden.

Funky geht’s weiter mit Love is the Future, wieder mit Elementen aus der binären Zaubermaschine, aber auch Rap-Parts, die den sonst ganz verträumten Gesang schön aufpeppen.

Cry For You hat, wenn man es als Video beschreiben sollte, etwas von mit-einem-hypermodernen-schwebenden-Mobil-durch-die-Galaxie-Düsen-und-alles–an-sich-vorbei-brausen-Lassen in Kombination mit coolen Gesangseinlagen in einem Lichttunnel.

Bei  Started Right muss ich unweigerlich an mein kleines Keyboard aus Kindertagen denken, bei dem man eine Melodie vorgeben und dann auf drei roten Buttons den Beat selbst mitdrücken konnte. Klingt genau so.

Es geht aber auch ein bisschen gediegener, wie sie mit dem urkomischen White Wine and Fried Chicken unter Beweis stellen. Ganz schöne Schnulze mit witzigen Lyrics, wie man schon am Titel erahnen kann.

Dark Night ist mir sehr sympathisch, weil es auch mal ein Gitarrenriff aufklingen lässt und ein bisschen verruchter daherkommt, wenn auch nur ganz verhalten.

Mit den Fingern schnippen kann man besonders ausgezeichnet zu Easy to Get, und auch sonst ist der Song wieder ein Disko-Schmankerl, der so manchen in einen jungen John Travolta zu verwandeln vermag.

Need You Now ist eine Mischung aus Moby (Gesang) und Wankelmut (Mukke), also auch wieder unbedingt clubtauglich und einprägsam.

Noch eine Schnulze kommt anschließend, wobei So Much Further to Go eher langweilig ist.

Erneut eine starke Nummer gibt’s zum Schluss mit dem Titeltrack Why Make Sense?, der so ruhelos und verstörend ist, dass man mit einem ganz mulmigen Gefühl zurückbleibt.

Fazit

Ihrer Vorliebe für afroamerikanische Klänge gibt die Band auf ihrer neuen Scheibe viel Raum. Es geht dabei vor allem um die Seele der Musik, ihren Groove, Beat und besonders ihre starke Tanzbarkeit. Dabei liegt es ihnen trotz ihrer starken Affinität zu künstlich erzeugtem Sound immer noch am Herzen, authentische Musik zu machen, weshalb sie das neue Album auch live im Studio einspielten. Die dabei herausgekommenen zehn Songs sind gewohnt poppig, unterhaltsam und cool und eignen sich damit bestens fürs (Home)Clubbing. HOT!

Nerd Trivia

Als besonderes Feature wird jedes Album in einer von insgesamt 501 individuellen Farben erhältlich sein. In Kombination mit variierenden Plattendesigns bedeutet dies, dass sowohl jede CD als auch jede LP ihr komplett einzigartiges Artwork haben werden. Für Sammler sicher ein kleines Highlight.

Meine Anspieltipps
01: Huarache Lights
06: Dark Night
07: Easy to Get
10: Why Make Sense?

 

[Gast-Autorin: Josefine Vorwerk]

 

Fotos: Steve Gullick

Unsere Bewertung

8

Futuristischer Funk, der einfach funktioniert.

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