Beachhandball – Voll im Sand

Handball spielen können wir im Ländle sehr gut. Seit Äonen wird der österreichische Handball-Meister zwischen Hard und Bregenz ausgemacht. U.a. auch deshalb, sehen mache großes Potential für die Strandvariante dieses Ballsports bei uns im Ländle.

Ok, Beachvolleyball kennt wohl jeder, bei Beachhandball siehts noch etwas düster aus. Deshalb haben wir mit Marius Köb, der die Mixed-Beachhandball-Trophy am 4. Juli organisiert, über den noch jungen Sport gesprochen.

Beachhandball in Vorarlberg

Marius KöbMarius Köb (mitte)

Beachvolleyball punktet mit knapper Kleidung. Was hat Beachhandball zu bieten?
Wenn Beachvolleyball an knapper Kleidung gemessen wird, dann sei es der Sportart durchaus vergönnt. Beachhandball punktet auf der gleichen Schiene, zumindest im Profibereich.
Neben diesem Aspekt hat die Sportart aber durchaus noch mehr zu bieten. Das Spiel ist sehr schnell, sehr anstrengend und dadurch auch sehr taktikgeprägt. Des Weiteren wird zum ersten Mal in Vorarlberg ein Beachhandball-Turnier unter einem Style-Award ausgetragen. Das bedeutet, dass die Teams alle in ausgefallenen Team-Outfits spielen. Das kreativste, ausgefallenste, freakigste Outfit wird prämiert.

Erklär uns doch bitte den Unterschied zum regulären Handball, das in der Halle gespielt wird, und der Strandvariante?
Logischerweise fällt ein wesentliches Element des Hallenhandballes weg – Nämlich das Prellen. Auch die Anzahl der Spieler ist deutlich geringer als beim Hallenhandball (3 Feldspieler und 1 Torwart). Die Wertung des Spiels erfolgt nicht durch Tore, sondern durch Punkte.
Herauszuheben ist hier ganz klar, dass es im Beachhandball möglich ist, durch spektakuläre Tore 2 Punkte zu erzielen. Z.B. nach einer 360° Drehung, oder wenn ein Ball von seinem Mitspieler in der Luft gefangen und direkt verwertet wird (sogenannte Kempa Tore). Auch ein Spieler im Team, der durch ein andersfarbiges Leibchen gekennzeichnet ist und ein Tor erzielt, zählt es doppelt, ebenso alle 6-Meter Freiwürfe. Der Tormann kann sich in einer Angriffssituation durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzen lassen, sodass ähnlich wie im Eishockey eine Powerplaysituation entsteht.
Auch die Gesamtwertung eines Spiels unterscheidet sich wesentlich zur Hallenvariante. Gespielt werden zwei Halbzeiten, die separat voneinander gewertet werden. Steht es nach zwei Halbzeiten 1:1 unentschieden, entscheidet ein Shoot Out den Gewinner des Spiels.

Generell haben alle Sportarten, die auf Sand ausgetragen werden ein geringeres Verletzungsrisiko, bedingt durch die dämpfende Wirkung von Sand.

Beim Handball in der Halle geht’s mitunter etwas ruppig zu. Bei der Strand-Version auch?
Du hast vollkommen Recht, dass Handball für den „Leihen“ etwas ruppig wirken mag. In der Handballszene wird das allerdings anders gesehen. Generell haben alle Sportarten, die auf Sand ausgetragen werden ein geringeres Verletzungsrisiko, bedingt durch die dämpfende Wirkung von Sand. Beim Beachhandball wird aber prinzipiell schneller abgepfiffen, dass das ruppige, was du meinst, schon vorher unterbindet.
Auch der Körperkontakt ist bei dieser Sportart nicht so ausgeprägt wie beim klassischen Handball und Fouls werden schneller mit einem Freiwurf oder einem 6-Meter Wurf geahndet.

Wie kommt man auf die Idee Handball im Sand zu spielen?
Beachhandball ist eine moderne Sportart mit einer noch sehr jungen Geschichte. Sucht man nach ihren Ursprüngen, gelangt man zunächst auf die Apennin Halbinsel, wo man die Sportart als „un idea tutta italiana“, also als eine rein italienische Erfindung betrachtet, die 1990 sozusagen aus der Retorte kam. Damals entwickelte der dem italienischen Handballverband angehörende Professor Bartolini auf Anregung des Nationalen Olympischen Komitees Italiens in enger Anlehnung an den dort bereits sehr populären Beachvolleyballsport erste elementare Regeln für Strandhandball.
Die ersten Handballspiele auf Sand wurden deshalb auch noch auf Beachvolleyballfeldern ausgetragen, die erst nach und nach den heutigen Dimensionen angepasst wurden. Viele der Regeln des „Urspiels“ wurden jedoch unverändert von der International Handball Federation übernommen und gelten noch heute.

Beschreib doch bitte, was so faszinierend an Beachhandball ist.
Die Faszination daran ist mit Sicherheit der Lifestyle und der Spaßfaktor bei Beachhandball-Events. Beachhandball ist zwar in Vorarlberg bzw. Österreich noch nicht so etabliert wie der klassische Hallenhandball, dennoch nutzen auch viele Profi Handballer gerne die Möglichkeit, sich in der Sommerpause mit Beachhandball bei Laune zu halten. Eine weitere Faszination dieser Team-Trendsportart ist mit Sicherheit die Schnelligkeit und die taktikgeprägte Spielweise.

Beachhandball ist in anderen europäischen Ländern sicher weiter fortgeschritten als es derzeit noch in Österreich der Fall ist.

Wo siehst du das Potential für Beach-Handball?
Beachhandball noch nicht so etabliert, aber die Zukunftsaussichten stehen nicht schlecht. In Ungarn z.B. gibt es bereits seit Jahren eine landesweite Masters Serie. Hier hat Österreich sicher noch Handlungsbedarf. Eine Vernetzung der österreichischen Beachhandball-Events ist daher unumgänglich, um auf ein gleiches Level wie Ungarn zu kommen.
Beachhandball ist in anderen europäischen Ländern sicher weiter fortgeschritten als es derzeit noch in Österreich der Fall ist. Die Sportart soll nach dem Willen des Handball-Weltverbandes IHF olympisch werden. Im Juli 2015 würden in Lausanne, am Sitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), zwei Auswahlmannschaften die Attraktivität des Beachhandballs demonstrieren, sagt IHF-Geschäftsführerin Amal Khalifa. Über das Programm der Olympischen Spiele 2024 entscheidet das IOC im Sommer 2017. Mit der Aufnahme in das Programm der Olympischen Jugendspiele 2018 in Buenos Aires hatte Beachhandball bereits eine Aufwertung erfahren.

Wieso gibt’s beim Beachhandball gemischte Teams?
Die Spielvarianten sind hier sehr unterschiedlich. Im Profibereich gibt es sowohl Herren als auch Damenteams. Viele Turniere werden aufgrund des Spaßfaktors aber auch in Mixed-Form ausgetragen. Es gibt doch nichts Schöneres wenn Frauen und Männer gemeinsam ihrer Leidenschaft nachgehen können und gemeinsam in einem Team spielen.

Wie viele Mannschaften treten bei der Mixed Beachhandball Trophy am 4. Juli gegeneinander an?
Bei der 2. Auflage der Vorarlberger Raiffeisen Mixed Beachhandball Trophy haben wir insgesamt 13 Teamnennungen erhalten. Gespielt wird hierbei in zwei Gruppen. Gruppe A (9 Teamnennungen) ist für Handballspieler, quasi die „Profigruppe“ und alle, die den Wettkampfcharakter schätzen und die Gruppe B (4 Teamnennungen) für all diejenigen, die einfach nur Freude an Bewegung, Ballsport und etwas Neuem haben wollen. Der Spaßfaktor steht in dieser Gruppe im Vordergrund.

Was läuft am 4. Juli sonst noch?
Der Event wird durch andere Trendsportarten abgerundet. Das heißt, dass sowohl Teilnehmer, als auch Zuschauer die Möglichkeit haben sich in anderen jungen Trendsportarten zu versuchen und neue Bewegungsformen kennenzulernen. Angefangen von Freerun auf einem Airtrack (eine überdimensional große Luftmatratze mit Federwirkung), Slacklining (erfordert unglaubliche Koordination) oder Freestyle-Hula Hoop, das eine sehr ästhetische Wirkung hat, gibt es ein vielfältiges Bewegungsangebot für alle Sportbegeisterten. Für alle Side-Events stehen geschulte Trainer mit Rat und Tat zur Seite.
Bei unserer Kinderolympiade (ab 6 Jahren) dürfen sich die Kids in den verschiedensten Disziplinen probieren und ihre sportlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Jedes Kind erhält eine Urkunde, sowie eine Medaille.
Nach dem sportlichen Tagesprogramm findet der Abend durch den Alleinunterhalter Mario Schedler, der für Stimmung, Tanz, Gaudi und Musik garantiert, einen nahtlosen Übergang in die Geselligkeit.
Der Höhepunkt wird bei Anbrechen der Dunkelheit mit Sicherheit die Feuer-Hula Hoop Show von Croatiana Luburic aus Bregenz.

Fotos: Handout Marius Köb

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