Der kleine Festival-Ratgeber

Es gibt Menschen, die alle Jahre wieder freiwillig im Schlamm und Müll leben – das auch noch für mehrere Tage. Garniert wird das Erlebnis mit jeder Menge Alkohol, schlaflosen Nächten und vor allem: Musik.

Nachfolgend findest du einige Tipps, worauf du beim Festivalbesuch achten solltest – vor allem, wenn du schon zu den Mimöschen gehörst, die sich hin und wieder selbst sagen hören: »Ich bin zu alt für den Scheiß!«.

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Hüpf rein in die Gummistiefel, kram den dämlichen Hut vom letzten Jahr hervor und los geht’s.

Es gibt kein schlechtes Wetter

Ja, ja … nur schlechte Kleidung. Es ist aber was dran, denn jeder der sich auf ein Festival wagt, sollte damit rechnen, dass der sich anbahnende Jahrhundertsturm genau am Festivalwochenende hereinbricht.

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Es ist zwar lustig, in kurzen Hosen im Matsch rumzuspringen, wenn du jedoch um halb eins in der Nacht klatschnass vor der Bühne stehst, ist dir das Lachen vermutlich bereits vergangen. Eigentlich willst du die Kings of Leon sehen, insgeheim aber hoffst du, dass sie bald fertig sind und bloß keine Zugabe spielen, weil es arschkalt ist und du bereits spürst, dass deine Nase zu rinnen beginnt.

Zusammengefasst ist die Regenjacke dem Bananenkostüm vom letzten Faschingsumzug vorzuziehen.

Geduld ist eine Tugend

Eines der leidigsten Themen rund ums Festival ist das ewige Warten – auf alles. Wenn du mit deinem Auto anreist, beginnt es bereits dort. Du bist noch nicht einmal auf dem Festivalgelände und wirst schon ausgebremst, den sympathischen Parkplatzeinweisern sei Dank. Wer will, kann sich das Ölsardinenfeeling in den Öffis geben – ist aber genauso scheiße.

Die Hoffnung, dass es bald weitergeht, kommt erst gar nicht auf, denn wahrscheinlich bist du auf einem Festival, das bereits am Donnerstagabend seine Pforten öffnet, obwohl es eigentlich erst am Freitag richtig losgeht. Zu allem Überdruss ist heute aber erst Mittwoch. Es gibt nämlich genügend Wahnsinnige, die »zeitig« anreisen, um an die besten Plätze auf dem Gelände zu kommen.

Wenns nicht gerade pisst wie aus Kübeln – so wie jedes Jahr beim Openair St. Gallen – kann das Anstehen ganz gesellig sein. Für ein Bierchen helfen dir auch völlig Fremde, deinen unnützen Krempel (z. B. Gartenzaun mit Blümchen oder Planschbecken) aufs Gelände zu schleppen. Neue Freundschaften sind somit schnell geschlossen.

Kampf um die besten Plätze

Ist man erst mal drinnen, wird’s noch lange nicht gemütlich, denn nun beginnt die heiße Phase. Wer nicht auf einer 45 Grad-Neigung zelten will, vergisst am besten die Regeln von Anstand und Höflichkeit und schiebt die gerade erst neu gewonnen Freunde rücksichtslos zur Seite.

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Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke

Hygiene ist ein eigenes Thema auf dem Festivalgelände: Ab jetzt würde sich ein Schnupfen als Vorteil erweisen, denn nach drei Tagen saufen und in Gummistiefeln im Dreck stehen, riecht keiner mehr so gut.

Auf Festivals vergessen die Menschen viele Errungenschaften der modernen Zivilisation. So kann es durchaus vorkommen, dass du von Geräuschen geweckt wirst, die jemand von sich gibt, der dir gerade vors Zelt kackt. Dass selbiges gepinkelt wird, gilt sowieso als Geste der Wertschätzung unter guten Nachbarschaft.

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Weil Mülleimer bei den Festivalgängern ebenfalls nicht so hoch im Kurs stehen, gibt’s u. a. das generelle Glasverbot auf dem Gelände. Über das regen wir uns zwar alle fürchterlich auf und so lächerlich es auch klingt,  das verschmähte Nutella-Glas hat seinen guten Grund. Allen Beteuerungen zum Trotz landet das Glas garantiert in mehreren Teilen auf der Festivalwiese. Aufgeschnittene Füße und vollgepisster Matsch sind keine gute Kombination.

Die Lümmel von der ersten Bank

Wenn du beim Konzert deiner Lieblingsband etwas sehen willst, solltest du dich bereits beim Auftritt irgendeiner unbekannten Hippieband nach vorne schmuggeln. Dort angekommen, darfst du den Platz nicht wieder hergeben. Während des Bühnenumbaus wirst du dich zwar ganz schön langweilen, aber spätestens wenn du von der Crowd gegen die Absperrung gedrückt wirst, hast du gute Karten, den Schweißgeruch deiner Lieblingsband einzuatmen.

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Für Ihr leibliches Wohl ist gesorgt

Auf dem Festivalgelände fehlt es dir an nichts, es gibt Speisen aus aller Herren Länder und zu saufen sowieso. Das Problem: Es ist alles scheißteuer. Da die Karten fürs Festival bereits ihren stolzen Preis hatten, muss man seine Kohle wenigestens bei so etwas Banalem wie der Verpflegung zusammenhalten.

Zum Essen empfehlen sich Milchbrötchen und Landjäger. Klar, kein kulinarischer Hochgenuss, aber hitzebeständig. Beides kann man ein paar Tage essen, ohne dass diese »Lebensmittel« kaputtgehen. Iss sicherheitshalber noch ein bisschen Obst dazu, dann ist der Kater auch nicht ganz so fies – kleiner Scherz, dass machen nur Mädchen.

Außerdem lohnt es sich, das billigste Bier in Plastikflaschen zu kaufen, denn wenn es mal warm ist, schmeckst du sowieso keinen Unterschied zum teuren Gerstensaft mehr. Warum Plastikflaschen? Auf vielen Festivals werden Dosen genau so sanktioniert wie Glas. Am besten vorher individuell checken.

Sandmann, lieber Sandmann

Ausschlafen? Das kannst du gleich vergessen. Wenn dich dein von Alkohol gequälter Körper nicht von selbst um sieben Uhr morgens aus den Schlafsack jagt, sind es sicher deine Nachbarn – oder deren Nachbarn. Wenn jemand auf einem Festival schlafen kann, solltest du dir Sorgen um diese Person machen.

Immer wieder, immer wieder…

Ein dreitägiges Festival kostet soviel wie ein Italienurlaub, warum tun wir uns das alle Jahre wieder an? Ganz einfach, weil man dort Gleichgesinnte trifft, es geil ist, den ganzen Tag von Konzert zu Konzert zu wandern und dabei sicher mehr Spass hat als am Strand von Rimini. Deshalb haben wir die Karten fürs nächste Jahr bereits fix eingeplant, scheißegal welche Bands dort spielen.

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