Der Kevinismus und seine Jünger

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Eltern wollen nur das Beste für ihr Kind. Sie lieben es bedingungslos und betrachten es als wunderschön, ganz gleich, wie es aussieht. Dies hält viele Eltern aber nicht davon ab, ihrem Kind das ganze Leben zu versauen, indem sie ihm einen sozial unverträglichen Namen wie etwa Kevin oder Chantal geben.

Seit dem Film »Kevin – Allein zu Haus« haben sich die Kevins wie eine Seuche ausgebreitet. In den 90ern gesellte sich der nicht weniger nervende Jungenname »Justin« dazu. Da kann der Justin Biber nichts dafür – das haben wir der Nudelfrisur Timberlake, damals noch bei der Boyband »’N Sync«, zu verdanken.

Bei diesem Phänomen spricht man landläufig vom »Kevinismus« bzw. »Chantalismus«, welcher sich durch alle Gesellschaftsschichten zieht. Stark verallgemeinert kann man sagen, dass sich die größten Assis die kompliziertesten Namen ausdenken – haben ja schließlich auch Zeit. Nachhaltig ist es aber dennoch nicht, sein Kind nach einem Boygroup-Mitglied oder seiner Lieblingspornodarstellerin zu benennen.

»Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose«

Das ist nicht nur gehässiges Gequatsche über Menschen, die wahrscheinlich gerade ihr nächstes Kind zeugen und sich danach wieder gemütlich an den Fliesentisch vorm Riesenflatscreen setzten. Nein, eine Studie der Universität Oldenburg zeigt, dass Lehrer gegen gewisse Namen Vorurteile haben – positive wie auch negative. Daraus ergibt sich, dass der Vorname eines Kindes über dessen Bildungserfolg mitbestimmt. Unter Generalverdacht stehen demzufolge Namen wie Kevin, Chantal, Mandy, Jacqueline oder Justin. Das inzwischen berühmte Lehrerzitat »Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose« bestätigt das Ganze nur, deshalb wirst du »Gestatten, Dr. Kevin-Jerome Müller« selten zuhören bekommen.

Wenn es um dieses Phänomen geht, spricht man in gehobeneren Kreisen gerne mit einer gewissen Arroganz von den bildungsfernen Schichten. Dabei braucht man sich nur umzudrehen, die Promi-Elite steht den Assis in nichts nach. Ausnahmsweise können einem die Promikinder mal richtig leid tun.

So hört der Sohn von Jason Lee (Mein Name ist Earl) auf den klingenden Namen »Pilot Inspektor«. Der Kleine von Overactor Nicolas Cage wurde nach Superman benannt: Kal-El. Die drei Töchter von Bob Geldof sind »Fifi Trixibelle«, »Pixie Frou-Frou« und die verstorbene »Peaches Honeyblossom«. Und wenn sich der Sohn von Regisseur Robert Rodriguez mit »Rocket Rodriguez« vorstellt, klingt das nicht cool, sondern nach Pornostar.

Auch der TV-Koch Jamie Oliver hat Sinn für Humor, seine Kids heißen »Poppy Honey« und »Petal Blossom Rainbow«.

Dass die Tochter von Silvester Stallone auf »Sage Moonblood« getauft wurde, passt irgendwie. Klingt auf jeden Fall cooler, als wenn man nach Fallobst benannt wird, wie Gwyneth Paltrows Tochter Apple.

Unser ehrliches Mitleid verdienen allerdings die Ochsenknecht-Kinder Jimi Blue, Wilson Gonzales und Cheyenne Savannah – lass diese Name bitte kurz auf dich wirken. Im Gegensatz zu »Sage Moonblood Sylvester« könnte es diesen dreien durchaus passieren, dass sie sich irgendwann um einen echten Job bemühen müssen, wenn’s mit dem Singen und Schauspielern nicht mehr klappt – also … ähm, naja … demnächst.

Ist das nun ein Aufruf, unsere Kinder wieder ganz traditionell Reinhard, Engelbert oder Friedhelm zu nennen? Keinesfalls! Tu deinem Sprößling nur einen Gefallen, stell dir dein Kind mit 18 beim Bewerbungsgespräch vor: Müssen alle lachen, wenn es sich vorstellt, solltest du deine Namenwahl vielleicht nochmals überdenken.

Bild: Universal Studios

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