BazART: Teil einer außergewöhnlichen Geschichte sein

Bazart 2015

Der BazART schafft kreativen Raum – frei von Zwängen und Vorgaben. Wir haben mit den Organisatorinnen hinter dem jährlichen Event gesprochen.

2015. Und alles ist vernetzt. Bytes und Bits fliegen durchs Web und verknüpfen Gedanken mit Ideen und Ideen mit Kunstschaffenden. Aber geht das Ganze denn auch noch offline?

Dank eines weiblichen Dreiergespanns ist so etwas im Ländle seit 2010 möglich. Ursula, Karin und Eva sind die Initiatorinnen von BazART, einer Plattform für Kreative. Was man sich genau darunter vorstellen darf: Künstler aus den Bereichen Fotografie, Mode, Design, Performance, Literatur, Musik, Kulinarik und vielem mehr tun sich zusammen, um sich gemeinsam als Gruppe Kreativer der Öffentlichkeit zu zeigen. Diese Vernetzung findet jährlich ihren Höhepunkt beim BazART-Wochenende, bei dem irgendwo in Vorarlberg – eine coole Location vorausgesetzt – gefeiert, präsentiert und verknüpft wird.

Ursula, Karin und Eva haben sich trotz intensiver Vorbereitungen für den nächsten BazART Ende August Zeit für einen »Schwatz« genommen:

Eurem Blog merkt man an, dass der BazART eure Leidenschaft ist, ihr schreibt dort aber ganz wenig über euch selbst. Wofür schlägt euer Herz abseits des Projektes und wie lässt sich das mit dem BazART verknüpfen?
Ursula: Ich bin Fotografin, und Mama von Zwillingen. BazART gibt mir einen Ausgleich im »Mama-Sein«.
Karin: Ich war bis vor fünf Jahren noch in Amsterdam zu Hause und bin nach meiner Rückkehr ins Ländle, ohne viel vom Projekt zu wissen, zum BazART gestoßen. In Vorarlberg hat mir eine solche Plattform einfach noch gefehlt und da wollte ich Teil davon sein.
Eva: Ich bin Möbelbauerin und Innenarchitektin, zeichne gerne und kann beim BazART einfach vieles geben, bekomme aber auch viele kreative Anstöße zurück.

Haben sich beim BazART auch schon Synergien ergeben? Entstehen Folgeprojekte, bei denen Aussteller gemeinsame Sache machen?
Das kommt jedes Jahr vor, letztes Jahr ist uns das aber besonders aufgefallen. Wir wollen unseren »Schauraum« sehr offen gestalten, die Mitwirkenden sollen sich nicht als Messeaussteller fühlen. Durch den offenen Raum kommt es zum Gespräch und daraus entstehen gern neue Ideen. Oder manche Projekte werden so sehr wahrgenommen, dass es die Künstler bestärkt, am Thema dranzubleiben. So war es z. B. bei Denise Kopf mit ihrem Kinderbuch »Müsle gang ga schlofa«.

Wie geht ihr die Planung an – chaotisch, so wie man es von einem Haufen Kreativer vielleicht erwartet, oder strukturiert?
Wir sagen mal, strukturiert chaotisch. Wir wissen oft nicht, was die ausstellenden Künstler am Tag X tatsächlich präsentieren – und sind dann oft positiv überrascht. So etwas kann nur passieren, wenn wir Freiräume zulassen. Es soll also bewusst Momente geben, die frei und ungeplant sind. Aber natürlich gibt es auch Dinge wie die Locationsuche und die begrenzte Teilnehmerzahl, die Grenzen aufzeigen und bei denen es eine gewisse Struktur braucht.

Der BazART 2015 findet diesmal im Sector C in Dornbirn statt. Das Wochenende steht unter dem Motto »Formlos« – wie kam es zum Thema?
Oft entsteht durch das Gebäude, das wir bespielen eine Art Motto. Heuer war es auch so – wir dürfen bei der Firma Zumtobel Kerzen zu Gast sein, das formbare Wachs und die Umgebung allgemein hat uns zu dem Wort »Formlos« gebracht. Wir freuen uns, wenn sich einige Kreative mit dem Thema auseinandersetzen und dass wir ihnen die Möglichkeit geben können, ihre Arbeiten zu einem speziellen Thema auszurichten.

Bazart 2015

Eva, du hast mal das Wort »Ehrenamt« hinsichtlich eurer Organisation des BazARTs verwendet. Können Jugendliche und Erwachsene, die sich ehrenamtlich betätigen wollen und euer Projekt toll finden, irgendwie mithelfen?
Sehr gerne. Wir sind zwar ein Verein, aber nicht ganz so strukturiert aufgestellt. Damit muss man klarkommen und man sollte sich selbst einbringen können. Wie, da sind wir sehr offen: Wir brauchen Leute für Auf- und Abbau am Veranstaltungswochenende, oft geht’s auch nur um das Verteilen von Flyern und Plakaten.

Abgesehen von einer Menge Herzblut, die ihr in die Sache steckt. Wie kann sich ein so kleiner Verein über Wasser halten und dann noch so schöne Events veranstalten?
Wir finanzieren uns zu 85 % selbst, da wir für Förderungen anscheinend zu wenig konkret sind. Wir sind wohl zu vielfältig aufgestellt und passen dadurch in keine zu fördernde Sparte, was wir eigentlich nicht verstehen können. Denn genau diese Vielfältigkeit empfinden wir als zeitgemäß im Hinblick auf die Gestaltung von Kunstraum. Für unsere Künstler versuchen wir die Standmieten möglichst gering zu halten, es soll schließlich jeder die Chance haben, sich zu präsentieren. Auch den Eintritt möchten wir möglichst gering halten, da Kultur für jeden zugänglich gemacht werden soll. Aber ohne Förderung ist das eben alles etwas schwerer, daher haben wir unser Glück heuer per Crowdfunding versucht und freuen uns über die große Unterstützung auf mit.einander.at.

Gibt’s schon Pläne für nächstes Jahr?
Was wir auf alle Fälle sagen können: Es wird wieder alles anders. Wir wollen einen inhaltlich neuen Raum, also eine neue Halle, bespielen. Vielleicht mehr Pop-up-Performances und weitere Künstler, die möglicherweise noch nie dabei waren. Zudem möchten wir neben dem BazART auch vermehrt Impulse unterm Jahr geben, so wie beispielsweise heuer Anfang Jahres bei »BazART goes Vienna«.

Drei sehr sympathische Frauen mit viel Power und dem Wunsch, die Vorarlberger Kunst- und Kulturlandschaft farbenfroher zu gestalten. Bunt, offen und lässig – so präsentiert sich jeder BazART jedes Jahr auf seine eigene Weise.

SCHAUT VORBEI

27. – 30. August: BazART im Sektor C, Zumtobel Kerzen, Dornbirn

 

Text: Myrthe Liebschick, Foto: Darko Todorovic

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