Mother’s Cake: „Ich will jetzt nicht sagen, dass wir ne hässliche Band sind …“

Von Österreichischen Bands bekommen wir im Moment nicht genug. Die Tiroler Mother’s Cake sind eine weitere Perle heimischer Rockmusik. Sie sind dieses Wochenende beim Appenzeller Clanx-Festival zu sehen.

Die 2008 gegründete Band hat bereits mit ihrem Erstlingswerk “Creation’s Finest” mächtig aufgezeigt und im Juni ihr zweites Album “Love The Filth” veröffentlicht. Das Trio besteht aus Frontmann Yves Krismer (Gitarre, Lead Vocals), Jan Haußels (Drums, Backing Vocals) und Benedikt Trenkwalder (Bass). Neben ihrer eigenen Love The Filth-Tour stehen Mother’s Cake aktuell als Support von Limp Bizkit auf der Bühne. Wir haben uns mit Drumer Jan Haußels über seine Band, Musik und Godzilla unterhalten.

Auf was darf sich das Clanx-Publikum freuen?
Auf ne geile Show – hoffentlich (lacht). Natürlich nicht “hoffentlich”, aber ich glaub es wird etwas kälter, deshalb schauen wir, dass die Leute trotzdem ins Schwitzen kommen. Aber das sind die klassischen Sprüche. Ne, wir haben echt ein cooles Set vorbereitet. Wir spielen viele Songs von unserer neuen CD. Da wir seit der Veröffentlichung nun schon häufiger live gespielt haben, ist es nun zu nem ganz coolen Set geworden. Das wird auf jeden Fall ganz schön gewaltig – darauf kann sich das Publikum freuen.

Habt ihr zuvor schon mal in der Schweiz gespielt?
Ja, vor Kurzem waren wir mit Dream Theater im Z7 auf ’nem Progressiv-Festival. Das war ziemlich geil. Im letzten Jahr glaub ich, waren wir auch schon im Z7 bei Basel. Sonst war in der Schweiz noch nicht so viel mit uns los.
Aber umso mehr freuen wir uns, wieder dorthin zu kommen. Vor allem auf das Clanx-Festival – ich war selbst noch nie da – aber alleine auf den Fotos siehts sehr geil aus.

Beim Clanx-Festival findet ihr auch sicher ein musikaffineres Publikum als z.B. auf’m Frequency. Alles viel kleiner und feiner.
Genau, das ist doch geil, deshalb ist es für uns ein Festival-Highlight dieses Jahr. Wir haben auch beim Nova-Rock dieses Jahr gespielt, das ist zwar ein Mega-Erlebnis, aber schöner ist schon das Feeling, wenn die Leute da hauptsächlich wegen der Musik hingehen. Das spürt man auch auf der Bühne, umso mehr freuen wir uns drauf.

Wie das Schweizer Publikum um eine Zugabe bittet, weißt du?
Ne, leider nicht, wir waren bisher in der Schweiz immer nur in der Support-Situation und so viele Zugaben wurden dann nicht verlangt (lacht). Wieso, was macht das Schweizer Publikum denn?

Die Schweizer rufen nicht klassisch „Zugabe“, sondern strecken ihre Hände in die Luft, wie bei einer Laola-Welle und machen “Ohhhhhhhh…”. Das geht dann solange bis die Band wieder auf die Bühne kommt. Das kann dann schon für Verwirrung sorgen, wenn mans nicht weiß.
Danke fürs Coaching (lacht), dann hoffen wir, dass wir am Samstag die Laola-Welle schaffen.

Für unsere Leser, die euch noch nicht kennen – ich weiß, gerade heutzutage will man seine Musik nicht in irgendwelche Schublade stecken – trotzdem, wie würdest du euren Sound beschreiben?
Wir haben sehr groovig angefangen und da sind auch noch die Elemente ganz klar drin. Mit dem letzten Album sind wir etwas härter und strukturierter geworden. Grundsätzlich gehts Richtung Rock. Wir selber sagen nicht mehr so gern Progressiv-Rock. Viele Leute verbinden mit dem Begriff eher altbackene Bands. Wir sehen dabei jedoch eine verspielte Idee, wie z.B. Frank Zappa das früher macht. Das sind Sounds, die schwer einzuschätzen waren – so ein „was passiert im nächsten Takt?“-Ding. Etwas, das die Leute überrascht hat. Der heutige Progressiv-Stil geht mehr in ausgeklügelte, fast schon mathematisch berechnete Musik und das ist nicht so unseres. Wir gehen mit dem aktuellen Album eher in Richtung Psychodelic. Aber, es ist schwer zu beschreiben.

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Mir fällt auf, dass der Trend wieder in Richtung, ich nenn’s mal “ehrliche” Musik ohne viel Schnick Schnack, geht. Viele orientieren sich dabei am Stil der 70er oder 80er.
Du hast vollkommen recht, es gibt einige Bands die aktuell damit Groß werden. Auch im Pop-Bereich wie z.B. Bilderbuch, die eigentlich klassische Pop-Musik machen, jedoch sehr anspruchsvoll und harmonisch interessant sind. Deren ganzes Album ist nicht so banal, wie man noch vor 5 Jahren einen Akt bewerten hätte können, der dann überall auf Platz 1 stürmt.

… ich hoffe jedoch, dass es ’ne Gegenbewegung ist, weil die Leute immer mehr angeödet sind.

Ist das Publikum anspruchsvoller geworden?
Schwierig, ich hoffe jedoch, dass das es ’ne Gegenbewegung zum 08/15-Pop  ist, weil die Leute immer mehr angeödet sind. Wobei ich da nicht so euphorisch bin. Im Kleinen passiert das schon, die Leute zeigen ein bisschen mehr Interesse für Musik. Aber die „Big Player“ im Musikbusiness sind da noch nicht so richtig drauf. In den wirklich fetten Radiostadtionen, auch österreichweit, die nehmen so einen Act (Anm.: Bilderbuch) nicht mal wahr und geschweige denn supporten das in Österreich. Kurzum, es bewegt sich was, es ist aber nicht so, dass alle Dämme gebrochen sind.

Die Leute sind oft vielseitiger, als man es ihnen zutraut.
Wir haben in diesem Jahr ein Festival gespielt, bei dem wir, vom Line-Up her, überhaupt nicht rein gepasst haben. Es war das Sound of the Forrest-Festival. Es war ein wunderschönes Festival – ich will jetzt nicht sagen, dass wir ’ne hässliche Band sind, aber normalerweise sind wir eher auf den Rock-Konzerten, wo eine etwas rauere Kante herrscht. Das war eher ein Pop-Festival am See, viel Deutscher HipHop und eben wir.
Vor uns hat eine Band gespielt, bei der die Leute im Halbkreis vor der Bühne gesessen sind. Da hatte ich schon etwas größeren Respekt vor der Reaktion des Publikums und wie das dann wohl sein wird, wenn wir auftreten. Ich war dann aber total überrascht, wie die Leute das genossen haben, dass sie so eine Rock-Peitsche um die Ohren kriegen. Das hat mich positiv überrascht.

Aktuell seid Ihr der Support von Limp Bizkit. Dort geht wahrscheinlich alles etwas größer zu. Was ist das für eine Erfahrung?
Ja, dass ist schon eine Wand die man erst überwinden muss. Da sind enorm viele Menschen, aber auf der Bühne spürt man das in dem Moment gar nicht so. Da wir der Support sind, ist die Reaktion des Publikums am Anfang etwas verhalten. Das legt sich dann übers Set immer mehr und mehr und das Feedback, dass wir danach gekriegt haben, war super.

Wir haben uns neulich total geschämt, weil griechischer Joghurt auf unserer Liste stand.

Auf Youtube hat euer Song Soul Prison schon über 260.000 Views. Habt ihr bereits Star-Allüren, wie ausschließlich weiß gestrichene Räume im Backstagebereich, Zimmertemperatur bei exakt 24 Grad usw. oder seid ihr noch umgänglich?
(Lacht) Ne, ne, total. Wir haben uns neulich total geschämt, weil griechischer Joghurt auf unsere Liste stand. Wir wussten aber selber nicht, dass er drauf steht und die Leute beim Festival waren total angespannt und haben gesagt: „Wir gehen jetzt noch extra in Supermarkt und holen euch den griechischen Joghurt.“ Was sie dann nicht mussten.
Ne, da bleiben wir schön am Boden der Tatsachen, solange wir nicht verhungern und alles funktioniert, ist’s cool.

Bleiben wir bei Youtube. In eurem aktuellen Video „Gojira“ … ähm, wie spricht man das richtig aus?
Kotschira!

Danke. Das ist Name des Filmmonsters „Godzilla“ in Japan. Wie hat er es in euer Video geschafft?
Die Grundidee des Albums ist die Bekenntnis zum Schmutz und den nicht so schönen Themen des Lebens. Jedoch, auch sie gehören dazu und haben manchmal sogar ihre schönen Seiten. Allerdings hatte die Nummer schon immer den Arbeitstitel „Godzilla“. Der ist ja ein ziemlich hässliches Ungetüm und kann trotzdem sehr liebevoll sein oder zumindest liebenswert – irgendwie. Das hat eben gut zum Thema gepasst. Mit den Filmausschnitten und unseren Kostümen im Video ist es unser Liebesgeständnis an Godzilla.

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Bitte noch einen kurzen Kommentar zum letzten Godzilla-Film.
Das ist ein Grund warum wir das Video „Gojira“ genannt haben, denn meiner Meinung nach sind nur die japanischen Gojira-Filme die echten. Die Hollywood-Filme haben relativ wenig mit Godzilla zu tun. Mit dem letzten Streifen hat man versucht, näher an das japanische Original zu kommen, aber die alten Filme haben eben diesen herrlichen Trash-Faktor und dadurch auch ihren Charme. Das wird Hollywood niemals nachmachen können.

Schöne Schlussworte, dann danke ich dir für das Interview.
Gerne. Das Clanx Festival ist oben am Berg, oder? Das kann schon ziemlich kalt sein?

Ja, das könnte unter Umständen etwas frisch werden. Nehmt mal lieber ’ne Jacke mit.

Mother's Cake Live

Mother’s Cake stehen am Samstag (29. August 2015) ab 21.45 beim Clanx-Festival auf der Bühne.

Foto: Mother’s Cake via YouTube

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