Wanda: »Wir sind für Amore und Gleichberechtigung in jeglichem Sinn.«

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Wanda waren dieses Jahr schon drei mal in Vorarlberg. In Lustenau hatten wir Gelegenheit, mit Christian Hummer (Keyboard) und dem leicht erkälteten (wir wollen hier mal nix unterstellen) Reinhold Weber (Bass) über das neue Album, ihren Promistatus, Sexismus, Fangeschenke und Vorarlberg zu sprechen.

Wie riecht die Jacke von Marco? Die sieht ja schon etwas angegammelt aus.
Christian: Hm, das ist in einem Satz nicht zusammenzufassen.
Reinhold: Gibts überhaupt ein Wort dafür?

Aber er muss nicht alleine an einem Tisch sitzen wenn er sie trägt?
Reinhold: Kommt immer drauf an, aus welcher Richtung der Wind weht.

Wir sind ja hier in Lustenau. Die Gemeinde ist quasi die Textilmetropole Vorarlbergs. Wie steht ihr zu Mode?
Reinhold: Hm, ich geh meistens zu H&M.
Christian: Wir sind generell schon Menschen, die auf ihr Äußeres achten. Aber Modefreak ist keiner von uns. Ich glaube, es hat auch noch nie jemand von uns ein Modemagazin durchgeblättert. Wir haben eine neutrale Haltung zu Mode. 

Aber schon eine etwas Eigenwillige.
Reinhold: Es gibt ein Geschäft im 10. Bezirk, da geh ich sehr oft hin. Das ist so ein nettes Geschäft, man wird von einer alten Dame beraten. Die haben ausschließlich Ledersachen.

“Nur Ledersachen” richtet sich also an eine ganz spezielle Klientel.
Christian: Ja, Leute die gern Leder-Geldbörserl haben. (lacht)
Reinhold: Und Gürtel. (lacht)
Christian: Aber wegen “eigenwillig”. Ich bin niemand, der letzten Sommer nur in Neonfarben oder Longsleeves rumgerannt ist. 

Aber du kennst dich aus, wie man hört.
Christian: Ja, das lässt sich schwer vermeiden. Wir haben jetzt gefühlte 100.000 Festivals gespielt, da kriegt man viele Trends mit.

Bekommt ihr Sachen geschenkt?
Reinhold: Ja, T-Shirts.
Christian: Oder eine Tasche mit Pizzabelag-Aufdruck. Die waren auch in einem Pizzakarton verpackt. Sehr liebevoll gestaltet.
Reinhold: Und ein Zigaretten-Etui oder String-Tangas …

Getragene?
Reinhold: Weiß nicht, glaub schon.
Christian: Oh ja, auch.

Ihr wart gestern noch in Wien bei FM4, heute in Lustenau. Wie sehr zehrt es an den Kräften, wenn man ständig auf Achse ist?
Reinhold: Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Aber es gab schon Momente, in denen wir dachten “Fuck, wie schaffen wir die nächsten zwei Monate noch”. Ich glaube, wir packen das deswegen so gut, weil wir viel Spaß an der ganzen Sache haben. Da überlegt man dann nicht lange “schaffe ich das Ganze?”.
Christian: Ich glaub es gibt Dinge, die noch 1.000 Mal härter sind, als auf Tour zu sein. Das kann man dann schon aushalten. Dafür können wir viele Leute glücklich machen und erleben Sachen, die wir uns nie erträumt hätten. 

Lustig ist es aber schon, wenn man in einer Bar sitzt und einen niemanden erkennt – dann spielen’s das Lied und alle beginnen zu tanzen.

Wie ist es, wenn man in einer Bar sitzt und dein eigenes Lied gespielt wird?
Christian: Ist mir noch nicht so oft passiert, weil ich nicht viel unterwegs bin. Unter der Woche sind wir selten in Wien und am Wochenende auf Konzerten unterwegs.
Lustig ist es aber schon, wenn man in einer Bar sitzt und einen niemanden erkennt – dann spielen’s das Lied und alle beginnen zu tanzen.

Könnt ihr noch unerkannt durch Wien spazieren?
Christian: Ja. Ich glaub, dass die Lieder berühmter sind als wir selber.

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Am 2. Oktober kommt euer neues Album „Bussi“ raus. Hat sich eure Musik verändert oder schließt ihr nahtlos an das alte Album an?
Christian: Ein bisschen, aber größtenteils schließt es ans Alte an. Viele Songs sind im gleichen Arbeitsprozess entstanden, wie die vom ersten Album. Deshalb ist es natürlich keine neue Sound-Ära bei Wanda. 

Wie kann man sich den Wanda Arbeitsprozess vorstellen? Wie entstehen eure Lieder?
Christian: Für die meisten Lieder schreibt Marco die Melodie und den Text. Dann arrangieren wir das gemeinsam, dabei kommen oft Ideen von anderen Leuten dazu. Das kann man aber nicht verallgemeinern.
Reinhold: Oder irgendwer von uns sagt einen gescheiten oder dummen Satz, den Marco in den Text einbauen will. Dann verschwindet er für 10 Minuten und kommt mit einer neuen Nummer zurück.
Christian: Machmal gehen wir einfach ins Studio und Marco hat ein paar Textfetzen dabei. Dann sitzen wir drei, vier Stunden im Studio und am Ende kommt ein neuer Song raus.

Also beim Jammen?
Christian: Weniger beim Jammen. Die Musik hat immer ein gewisses Grundgerüst, darauf bauen wir einen Song dann auf.

Beim letzten Album war die geile Cousine der Skandal, jetzt wird euch Sexismus unterstellt. Ist es in Österreich einfach zu provozieren?
Christian: Ist ja nicht nur in Österreich so. In Deutschland auch. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich weiß auch nicht, wie so etwas zustande kommt, wie jetzt diese “Sexismus”-Vermutung, die gerade medial passiert ist. Auch weil wir im letzten Jahr viele Statements abgegeben haben, in denen wir sagen, dass wir Humanisten sind. Dass wir für Amore und Gleichberechtigung in jeglichem Sinne sind.
Dann ist jetzt diese Sache und auf einmal gibt es einen gewissen Prozentsatz an Journalisten, die hinter Wanda irgendwelche sexistischen Machos vermuten. Ich versteh’s nicht. 

Es ist doch auch nicht so, dass, wenn wir ein Video in dem Rainhard Fendrich mitspielt, machen würden, alle glauben, dass wir eine Koks-Vergangenheit haben.

Aber, dass Ronja von Rönne, die im Video mitspielt, bei einem gewissen Klientel nicht sehr geschätzt wird, wusstet ihr doch?
Christian: Es ist doch auch nicht so, dass, wenn wir ein Video in dem Rainhard Fendrich mitspielt, machen würden, alle glauben, dass wir eine Koks-Vergangenheit haben. Das Ganze ist so entstanden, dass Ronja unseren Manager irgendwo getroffen hat und gesagt hat, dass ihr unsere Musik taugt und dass sie gerne im Video mitspielen würde. Beim Dreh selbst waren wir relativ knapp dran und haben eine Darstellerin gesucht. Dann kam die Idee, wenn sie mitspielen will, können wir das doch machen. Wir haben sie angerufen und sie hat zugesagt. Mehr ist da wirklich nicht dahinter. Warum man damit so leicht provozieren kann, weiß ich nicht.

Liegt wohl an unserer Empörungskultur. Ist es notwendig geworden, sich bei jedem Satz fünfmal zu überlegen, wen man damit beleidigen könnte oder kann man auch sagen “Scheiß drauf”?
Christian: Ich glaube nicht. Ich find’s vor allem interessant, da das Lied an sich und auch das Video nichts mit einer antifeministischen Haltung zu tun haben.
Aber vielleicht ist das auch gut, dass das so passiert. Dann werden eventuell Leute auf uns aufmerksam, die das sonst nicht würden. Die hassen uns dann vielleicht auch noch. (lacht) Auf jeden Fall sind wir keine Antifeministen und keine Sexisten.

Aber wahrscheinlich auch keine Feministen?
Christian: Wir sind fünf Einzelpersonen in der Band mit fünf verschiedenen Meinungen. Keiner von uns ist jetzt im Feminismus aktiv, insofern, dass er politische Aufklärungsarbeit oder sowas betreibt. Aber wir haben innerhalb unserer Band Geisteshaltungen, die dem Feminismus nicht fern sind.
Reinhold: Ich würde auch sagen, dass wir eher in Richtung Feminismus schauen, als davon weg.

Ihr seid jetzt bei einem Major-Label. Hat sich Wanda nun an die Großen verkauft?
Christian: Verkauft? Das ist halt Musik-Business. Dabei gehts unter anderem auch darum, dass wir davon leben können.
Reinhold: Wir haben dadurch die Möglichkeit ein großes Spektrum an Leuten zu erreichen und denen dann Amore zu senden.

Was ändert sich dadurch, dass ihr bei Universal seid? Spürt ihr das bei eurer Arbeit?
Christian: Die Zusammenarbeit hat gerade erst angefangen. Ich glaube, für uns wird sich gar nicht so viel ändern. Die Arbeit wird mehr werden, aber wahrscheinlich strukturierter. Die  Leute haben viel mehr Erfahrung, als es ein Indie-Label je haben kann.

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Euer Gig in Lustenau ist im Vergleich zu beispielsweise dem Nova Rock kleiner. Ist das eine willkommene Abwechslung?
Christian: Es ist schon nett, wenn es etwas intimer ist. Aber wir freuen uns überhaupt, dass wir hier in Vorarlberg sein dürfen. 

Schon das dritte Mal heuer. Versteht ihr schon langsam was die Leute hier so sprechen, oder muss man für euch noch alles auf Hochdeutsch wiederholen?
Christian: Nein, heute geht’s bis jetzt recht gut. Was toll ist: Im Zusammenhang mit einem Konzert gibt es nicht so viele Themen, über die man redet. So konnte ich vorher ziemlich schnell herausfinden, dass es um’s Essen gegangen ist und dann um den Bühnenaufbau. Wie wenn man einen Film schon zehnmal auf Deutsch gesehen hat, dann versteht man ihn vielleicht auch auf türkisch. (lacht) 

Du hast gerade unseren Dialekt mit Türkisch verglichen. Kommen wir deshalb zur letzten Frage. Wir bleiben beim Vorarlberger Dialekt. Wir würden gerne wissen, was der folgende Satz denn bedeuten könnte und da ihr vorher so angegeben habt, dass ihr eh alles versteht, läuft das sicher gut.
Christian: Das haben wir so nicht gesagt. (lacht)

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Was könnte “D’Liabi isch a hura Seklarei” auf Hochdeutsch heißen?
(Anm. d. Red.: Christian und Reinhold rätseln darüber, was “Seklarei” heißen könnte)

Kleiner Tipp: Es hat mit Amore zu tun.
Christian: Ja, das dachte ich mir schon.
(Anm. d. Red.: Christian und Reinhold rätseln nun darüber was “hura” heißen könnte)
Reinhold: “Liebe ist eine schöne Sache”? 

Es geht eher in die gegenteilige Richtung.
Christian: “Liebe kann auch nicht schön sein”?

Es ist schwer wörtlich zu übersetzen. Am ehesten trifft es “Liebe ist harte Arbeit”.
Christian: Ja, das ist durchaus wahr. 

Habt ihr noch Fragen an uns? Sonst war’s das.
Christian: Gehts euch gut?

Ja, bestens. Danke.
Christian: Seid ihr von hier – aus Lustenau?

Nein, aus Bregenz.
Reinhold: Ist das weit weg?

Nein, so ca. 10 Minuten mit dem Auto. Aber in Vorarberg ist nichts wirklich weit weg. Innerhalb von 40 Minuten könnte man ans andere Ende fahren. Aber das macht niemand.
Christian: In Bregenz waren wir letztens kurz Schwimmen. Bevor wir in der poolbar gespielt haben.

Also habt ihr schon auch mal kurz Zeit für euch.
Reinhold: Ja, wenn wir das selber gut einplanen.
Christian: Außer wenn sich am Vorabend jemand ins Koma säuft und dann nicht bis 13 Uhr wachzukriegen ist, hat sich das Schwimmen für alle erledigt.

Interview: Chris Feurstein & Cornelia Bachträgl
Foto: Handout Wanda © Florian Senekowitsch, Polaroids © Ländle Magazin

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