Micaela Schäfer: »Letztendlich wird jeder auf das reduziert, womit er sein Geld verdient.«

Micaela Schäfer ist dafür bekannt, dass sie sich gerne mal auszieht – immer und überall. Wir haben mit ihr über das Nacktsein, Vorbilder und Wichsvorlagen gesprochen.

Micaela, im TV erlebt man dich meist unbekleidet. Hast du im Moment überhaupt etwas an?
Im Moment trage ich nur einen schwarzen String und Nippel-Pasties auf der Brust, da ich mich gerade für einen DJ-Gig in Österreich vorbereite. Meine Auftritte sind ja immer sehr freizügig, aber in den Clubs ist das natürlich super praktisch, da es meist sehr heiß ist und ich viel tanze. Da kommt mir wenig Stoff gelegen.

Welche Bedeutung hat »Nacktsein« für dich?
Für mich hat Nacktheit viele Bedeutungen, z. B. Provokation, Freiheit, aber eben auch etwas ganz Normales. Wir kommen alle nackt auf die Welt und verlassen die Welt auch wieder nackt. Trotzdem erschrecken Menschen, sobald sie eine nackte Person sehen. Irgendwie witzig. Ich finde es natürlich gut, dass es so ist. Wenn es Normalität für alle wäre, würde wohl niemand mehr über meine Nacktauftritte reden.

Eine Sängerin singt, ein Comedian erzählt Witze und ich ziehe mich eben aus.

Jedoch ist »Nacktsein« heute kein allzu großer Aufreger mehr, man hat ja schon einiges gesehen. Hast du nicht Angst, dass man sich bald an dir satt gesehen hat?
Nein, überhaupt nicht. Schon seit fünf Jahren prophezeien mir irgendwelche Leute, dass es bald vorbei sein wird mit meiner Karriere und mich niemand mehr nackt sehen will. Das ist Quatsch. Eine Sängerin singt, ein Comedian erzählt Witze und ich ziehe mich eben aus. Wenn man Dinge gut macht und sich immer wieder neuen Projekten und Herausforderungen stellt, ist man immer interessant – egal, welches Tätigkeitsfeld das auch immer ist.

Nicht jeder sieht gerne eine nackte Frau in der Einkaufspassage.
Ich kann es verstehen, dass Leute geschockt darüber sind. Ich finde es auch nicht schön, wenn auf einmal Menschen einfach so an unüblichen Orten nackt herumlaufen ohne einen medialen oder künstlerischen Grund. »Einfach so« finde ich einfallslos. Und Kleidung hat sich nicht ohne Grund durchgesetzt.

Wenn du kritisiert wirst, dann eher von Männern oder von Frauen?
Das bleibt sich gleich. Frauen sind oft zickiger, aber gewählter in der Kritik. Männer sind oft obszön und einfach. Mein Konzept ist provokant und das soll es ja sein. Ich unterhalte Menschen und füttere die Boulevardpresse. Also mache ich meinen Job ja anscheinend gut, wenn Menschen über mich reden.

Siehst du dich eigentlich als Feministin?
Ach Gott, keine Ahnung. Ich denke eher nicht. Im heutigen Zeitalter finde ich die Frauenbewegungen irgendwie doof – zumindest was Deutschland angeht. Wir haben ja sogar eine Bundeskanzlerin. In anderen Ländern gibt es, was Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern angeht, viel Nachholbedarf.

Dafür gibts ja u. a. die Aktionsgruppe Femen. Haben die eigentlich schon bei dir angefragt? Gewisse Gemeinsamkeiten kann man ja nicht abstreiten.
Ich durfte mal eine Femen Aktivistin kennenlernen, die jetzt selbst aber nicht mehr als Femen agiert. Ich empfinde es als mediale Belustigung, die Frauen zu sehen.

Fraglich ist, ob auch alle die Botschaft verstehen oder bloß auf deren Möpse gucken?
Ob sie auch was bewirken, kann ich nicht einschätzen. Zumindest erlangen sie jede Menge Aufmerksamkeit und sie haben Mut. Ich könnte und würde es nicht tun. Ich setze mich gerne für politische Themen ein, aber ohne Krawall, lieber mit Erotik und Witz.

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Facebook hat offensichtlich was gegen nackte Brüste. Ist das ein Hindernis für dich?
Das Nippelproblem gibt’s ja in allen großen sozialen Medien. Klar finde ich es schade, wenn man schöne Aktfotografie nicht zeigen darf, aber natürlich kann ich verstehen, dass man sowas lieber generell verbietet. Facebook kann schließlich nicht jedes Mal unterscheiden, ob etwas Pornografie oder Erotik ist.
Ich habe alle Nacktbilder auf meiner Website und verlinke diese in meinen Posts. So haben all meine Fans trotzdem die Möglichkeit alles unzensiert zu sehen.

Ich hab mal gelesen, dass Kim Kardashian dein Vorbild ist. Warum eigentlich, sie hat doch nichts Erwähnenswertes geleistet?
Ich finde Kim großartig. Sie zieht ihr Ding mit so einer Konsequenz durch.

Und was genau wäre das nochmal?
Klar, im klassischen Sinne nichts wie Singen, Schauspielern, Moderieren oder Modeln. Aber wenn das, was sie macht, »Nichtskönnen« wäre, gäbe es hunderte Kims. Die gibt es nicht. Sie vermarktet sich selbst und das sehr erfolgreich. Ich ziehe vor jeder Frau meinen Hut, die es schafft, erfolgreich zu sein und sich treu zu bleiben, egal ob sie in ein Raster passt oder nicht.

Ich frage deshalb, da du dir ja den Hintern auf Kim-Size vergrößern hast lassen. Manche würden einwenden, dass der ja von selber größer wird … Was war dein Beweggrund dafür?
Ich liebe Kurven und ich bin froh, dass diese nun so angesagt geworden sind – dank Kim Kardashian, Coco Austin und Amber Rose. Ich finde einfach, zu einer Frau gehört ein praller Hintern. Meiner war mir zu klein, und da ich ja Schönheits-OPs nicht abgeneigt bin, habe ich ihn mir machen lassen.

Du warst auch bei Germany’s next Topmodel. Hat man es im Model-Business schwerer mit weiblichen Rundungen?
Ja natürlich, Rundungen sind vielleicht für Dessous und Bademodenshootings gut, aber Designer haben eben für Fashionaufnahmen und Laufsteg gerne sehr schlanke Models, das war schon immer so und wird sich so schnell nicht ändern. Ich kann mich mit beiden Varianten anfreunden. Persönlich natürlich die mit den Kurven, aber auch Mädels wie Cara Delevingne oder Toni Garrn finde ich toll.

Du warst auch bei anderen Shows wie Big Brother, Dschungelcamp, Promi-Dinner usw. Wann ist die Schmerzgrenze erreicht, wo du sagst, da mach ich nicht mit?
Ich lehne keine bzw. ungern Realityformate ab. Das ist mein Job und es macht mir Spaß.
Eher lehne ich Filmrollen oder Ähnliches ab. Ich mag keine Drehbücher oder Vorgaben. Bei Realityformaten kann man tun, was man will. Man muss keine fremde Rolle spielen. Ich bin keine Schauspielerin und habe auch nicht vor, eine zu werden.

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Was wolltest du als Kind mal werden?
Ich wollte schon immer berühmt werden. Ich hatte nie einen anderen Berufswunsch. Ich hab schon immer zu schönen und erfolgreichen Frauen aufgesehen und für mich war klar, dass ich auch so ein aufregendes Leben führen möchte, voller Risiken, aber auch Erfolge. Ich bereue nichts und habe gezeigt, dass es jeder schaffen kann, egal wie kurios der Traum ist.

Glaubst du, die kleine Micaela von damals wäre mit deinem Beruf zufrieden?
Ja natürlich. Das, was ich als Kind wollte, habe ich geschafft. Es gibt kein zurück mehr, nur noch ein weiter. Das ist das Tolle an der Selbstständigkeit.

Wie geht deine Familie mit deiner Nacktheit um?
Meine Oma ist mein größter Fan. Sie sammelt alles von mir, hatte sämtliche Kalender an der Wand hängen und sammelt meine Autogrammpost. Meine Familie ist sehr stolz auf mich, dass ich auf eigenen Beinen stehe, mein Ding so konsequent durchziehe und Erfolg habe.

… dumme Menschen sind langfristig nicht erfolgreich. Ich kenne zumindest keinen.

Du wirst zwar gerne als naives Dummchen hingestellt, aber du hast einen Plan für die Zukunft. Wie sieht der aus?
Das Mediengeschäft ist sehr hart, aber das ist ja auch der Reiz. Wenn es einfach wäre, würde es ja viele geben, die erfolgreich wären. Man muss Ideen habe, diese hochwertig umsetzen. Ich versuche die Nacktheit immer wieder neu zu erfinden.
Außerdem investiere ich mein Geld in Immobilien, um mir so eine Existenz aufzubauen. Außerdem bin ich gerade dabei, eine eigene Dessouslinie aufzubauen und ich könnte mir vorstellen, eines Tages bei einem TV-Shoppingkanal dabei zu sein. Um meine Zukunft mache ich mir keine großen Sorgen. Und dumme Menschen sind langfristig nicht erfolgreich. Ich kenne zumindest keinen.

Das klingt vielversprechend. Und wie läuft das Geschäft als Nackt-DJane?
Sehr gut. Ich liebe meinen Job und freue mich jede Woche in ganz Deutschland, Österreich oder der Schweiz und im Sommer auch auf Mallorca am Start zu sein.

Stört es dich nicht, dass die Leute nur da sind, weil du nackt bist, und nicht wegen deiner Qualitäten als DJane?
Nackt lege ich ja nicht auf. Sondern sehr freizügig in LED-Outfits. Die Leute wollen mich sehen, da ich Stimmung mache und gute Musik spiele. Sie wollen mit mir reden und Fotos machen. Letztendlich wird jeder auf das reduziert, womit er sein Geld verdient.

Dich gibt’s ja auch als 3D-Model. Was machen die Leute eigentlich damit? Willst du das überhaupt wissen?
Ich mache mir ehrlich gesagt nicht viele Gedanken, was Leute damit tun. Ich biete ein Produkt an und jeder soll auf seine Art damit glücklich werden. Da es sich nicht um eine Gummipuppe handelt, ist ja vieles schon ausgeschlossen. Die 3D-Figuren sind sehr beliebt bei meinen Fans und ich denke, sie stehen bei etlichen auf dem Nachttisch oder in einer Vitrine.

Ok, generell gefragt: Was ist es für ein Gefühl, dass es da draußen Leute gibt, die sich auf deine Fotos / Videos einen runterholen – vielleicht sogar in diesem Moment.
Das ist mir egal. Leute befriedigen sich auch mit Hilfe von Fotos unbekannter Frauen selbst. Wenn ich mir darüber Gedanken machen würde, sollte ich den Job wechseln.

Was hast du dieses Jahr noch vor?
Es sind ein bis zwei TV-Projekte in Planung. Man wird mich wieder auf der Erotikmesse Venus sehen können und ich bringe einen Erotikkalender raus. Außerdem wird es zwei neue Singles geben: »Rock me Tonight« und »Partypolizei«. Meine neue DJ-Tour geht an den Start, die »Sexy Angel«-Clubtour, und ich bin Schirmherrin der privee Lounge im Megapark Mallorca.

Also, kann man sagen, »läuft bei dir«. Kommen wir noch zu was ganz anderem. Wir in Vorarlberg haben für Auswärtige einen etwas schwer verständlichen Dialekt. Hast du eine Idee, was wir mit »Hääs« bezeichnen?
Nein, keine Ahnung. Hört sich nach etwas zum Essen an, aber vielleicht verwechsle ich es auch nur mit »Kääs«.

Nein, es ist etwas, das du gerne ablegst. Es bedeutet nämlich »Kleidung«. 

Fotos: Handout Micaela Schäfer

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