Sophia, der Thees und ich

In der Kantine roch es nach frisch gebrühtem Kaffee.
Das tat es eigentlich gar nicht, aber ein Freund von mir meinte einmal, wenn er einen Bericht über eine Lesung im Spielboden schreiben würde, würde er mit diesem Satz anfangen: »In der Kantine roch es nach frisch gebrühtem Kaffee.«

Ganz ähnlich beginnt auch der erste Roman von Thees Uhlmann. Dieser war letzten Donnerstag im Spielboden zu Gast und las aus selbigem vor. Der Titel seines Werkes lautet »Sophia, der Tod und ich«, und handelt von einem Mann, der mitten im dreiminütigen Sterbeprozess gestört wird, diesen nicht beendet und daraufhin mit dem Tod selbst im Diesseits verweilen muss.

Neben dem Vorlesen einzelner Auszüge, erzählte Thees auch so manche Hintergrundgeschichte zur Entstehung einzelner Ereignisse im Buch oder Charakterzüge der Protagonisten. Ebenfalls erfuhr das Publikum, wie es überhaupt dazu kam, dass sich der ehemalige Tomte-Sänger und Gitarrist, in die Reihen der schreibenden Musiker eingliederte. Thees gestaltete den ganzen Abend sehr persönlich und familiär. Die Atmosphäre war einer freundschaftlichen Kneipenrunde deutlich näher, als einer klassischen Lesung.

Diese lockere Art tat auch der Geschichte sehr gut, denn von Thees vorgelesen wirken die Protagonisten ein deutliches Stück lebendiger, als sie dies für den normalen Leser tun. Daher würde ich auch all jenen, die nicht bei der Lesung waren, dringend das Hörbuch empfehlen. Bitte nicht falsch verstehen – das Buch ist klasse und großartig dafür geeignet, an einem faulen Sonntagnachmittag weggelesen zu werden. Doch der norddeutsche Charme, der bei Thees in jeder Silbe mitschwingt, überträgt sich fließend auf den namenlosen Hauptprotagonisten.

 

Foto: Ingo Pertramer

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