Take it easy – Eagles-Gitarrist Glenn Frey stirbt mit 67

Glenn Frey (Eagles-Frontman), Foto: Doug Griffin

Es werden immer weniger, im Zoo der Rock-Dinosaurier. Nun traf es auch den Eagles-Mitbegründer Glenn Frey. Wie die Band auf ihrer Website bekanntgegeben hat, starb der Gitarrist, Songwriter und Sänger letzten Montag in New York an den Folgen einer rheumatischen Arthritis, einer eiternden Dickdarmentzündung und einer Lungenentzündung. Glenn wurde 67 Jahre alt.

»Langsam wird’s echt krass«, lautete gestern die WhatsApp-Nachricht eines Freundes. Seine Bestürzung bezog sich auf den gerade verstorbenen Glenn Frey von den Eagles. Er verstarb am Montag aufgrund post-operativer Komplikationen, wie es auf der offiziellen Webseite der Eagles hieß.

Als sich die Eagles 1971 in Los Angeles gründeten, definierten sie mit ihren unkonventionellen Kompositionen einen neuen Stil, der in den Folgejahren als »West Coast Music« bezeichnet wurde. Es war eine Mischung aus Country, Bluegrass, Folk und gediegenem Rock. Der Acid-Rock der späten Sixties hatte sich gerade in Schall und Rauch aufgelöst und die Rebellen von damals trugen nicht mehr langes Haar und Schlaghosen, sondern wieder Hemd und Krawatte. Der »Summer of 69« war passé und die revolutionäre Generation versuchte sich konträr zu den Vorjahren in individueller Angepasstheit. Die Musik der Eagles passte perfekt in diese Zeit der Ernüchterung. Die Band erschuf, ähnlich wie die Kalifornier Creedance Clearwater Revival das, was man wunderbar als Road-Trip- und Lagerfeuer-Musik bezeichnen kann. Im Gegensatz zu den Bands der Woodstock-Ära, waren die Harmonien der Eagles und die Kompositionen von Frey immer geradlinig und nie von psychedelischem Schnick-Schnack gesäumt. Die poppigen und eher massenkompatiblen Songs der Eagles waren allerdings nicht jedermanns Sache.

Kritiker warfen der Band Nachahmerei und Konformismus vor. Man würde schlichtweg versuchen, den »wahren kalifornischen Sound« zu imitieren, aber lediglich eine softe Kopie von Bands wie Creedance Clearwater Revival zu sein, lauteten die Stimmen. Besonders die karamellsüße Ballade »Desperado« aus dem Jahr 1973, ist kompositorisch zwar durchdacht und mitnichten schlecht, dennoch schieden sich an ihr die Geister. Doch die Eagles dominierten in den 70er Jahren trotzdem die US-Charts und räumten in ihrer gesamten Karriere unzählige Grammy-Awards ab.

Die von Frey mitgegründete und geführte Band spielte im Laufe der Jahre in unterschiedlichen Besetzungen. 1984 lösten sich die Eagles auf, 1994 fanden sie wieder zusammen. Als größter Hit der Band gilt bis heute »Hotel California«. Ein Song, der bei manchen Menschen unweigerlich Erinnerungen an den letzten Vollsuff in seiner ganzen Umfänglichkeit hervorruft. Erinnerungen, als man sich Arm in Arm mit dem ganzen Trupp seiner alkoholisierten Freunde, gröhlend -schwankend, dem malztriefenden Refrain dieses Sechseinhalb-Minüters hingibt, bevor man im Anschluss daran, den Leuten auf der Tanzfläche die Funktionsweise des menschlichen Stoffwechsels präsentiert. Trotz dieser anekdotenhaften Komposition muss man hierbei aber anmerken, dass Glenn bei »Hotel California« nur eine untergeordnete Rolle als Co-Autor des Textes und als Backgroundsänger spielte. Sowohl Solo als auch Melodie stammten vom damaligen Eagles-Gitarristen Don Felder. Retrospektiv darf man sich Glenns famoses Gitarrenspiel trotzdem in Erinnerung rufen: Mal progressiv, mal schmelzend weich, aber gerade noch an der Schnulz-Grenze vorbeigleitend. Unvergessen auch seine feinen Arrangements in Songs wie »Witchy Woman«, »Part of me, Part of you« oder »Peaceful easy feeling«.

Nach Glenns Tod teilten tausende Fans die traurige Nachricht auf Facebook und Twitter und drückten der Band ihr Beileid (Mitgefühl?) aus. »So langsam füllt sich das Hotel California da oben aber«, schrieb ein Fan auf Twitter. Auch Schlagzeuger Don Henley äußerte sich zum Tod seines langjährigen Freundes und Weggefährten. »Wir sind alle in einem Zustand von Schock, Unglauben und tiefer Trauer«, teilte er der Deutschen Presseagentur (dpa) mit. Frey zu begegnen, habe Henleys Leben für immer verändert und einen Einfluss auf das Leben von Millionen Fans weltweit gehabt, so der Musiker. Wie bei vielen anderen berühmten Musikern, die vor Glenn gegangen sind, ist es nun die Musik die bleiben wird und der Versuch, dem Titel eines der berühmtesten Eagles-Songs gerecht zu werden: Take it easy. Nehmen wir es uns zu Herzen.

 

Text: Max Marquardt, Foto: Doug Griffin, Toronto Public Library

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