#LäuftBeiMir: Gotham – Staffel 1

Gotham - Staffel 1

„Gotham“, dieser Name kommt euch sicher irgendwie bekannt vor. Für alle Nicht-Nerds: Das ist die fiktive Stadt, in der Batman wohnt. Die gleichnamige Serie erzählt, wie es in der Stadt zuging, bevor der Held im Fledermauskostüm nach dem Rechten sah.

Die Serie spielt zur Zeit der Ermordung von Bruce Waynes Eltern. Bruce, der das Verbrechen mitansehen muss, ist noch ein Kind und der junge Polizist Jim Gordon versucht den Fall aufzuklären.

Gordon, dargestellt von „O.C. California’s“ Ben McKenzie, ist ein Idealist und will sich nicht in den Sumpf aus Korruption und Kriminalität, in dem die Gothamer Polizei steckt, ziehen lassen. Das macht ihn bei seinen Kollegen und Vorgesetzten nicht gerade beliebt. Auch mit den beiden Mafia-Familien Falcone und Maroni gerät Gordon deshalb immer wieder in Konflikt.

Highly Illogical

Die Atmosphäre in „Gotham“ wirkt düster und erinnert etwas an die beiden Batman-Filme von Tim Burton – lediglich weniger verspielt. Auf ein bestimmtes Jahrzehnt will sich die Serie nicht festlegen. Die Protagonisten fahren in klassischen Autos rum, haben Schreibmaschinen auf dem Tisch stehen, verwenden aber trotzdem Handys. Das ist toll gemacht und wirkt nie albern.

Es handelt sich bei „Gotham“ weniger um eine Comic-, sondern eher um eine Crime-Serie, deren Verbrecher ein extravagantes Äußeres bevorzugen. Dieser Ansatz wäre grundsätzlich nicht verkehrt, wenn man cool bleibt und sein Pulver nicht gleich in der ersten Episode verschießt. Die Macher von „Gotham“ sind nicht cool geblieben und haben stattdessen ein Feuerwerk gezündet.
Bereits in der ersten Episode werden fast alle zukünftigen Gegenspieler von Batman eingebunden. Es wirkt, als wolle man dem Zuseher zeigen, auf was er sich in dieser Staffel noch freuen darf – für diesen Zweck gibt es eigentlich Trailer. Dazu kommt, dass einem diese bekannten Figuren regelrecht ins Gesicht geklatscht und viel zu umfassend in die Handlung einbezogen werden. So rätselt man ständig, ob es Sinn macht, dass sich die Figuren bereits zu diesem Zeitpunkt so gut kennenlernen. Eigentlich eine nette Idee, nur für Zuschauer, die mit der späteren Batman-Handlung vertraut sind, wirken diese Jugendfreundschaften im Gesamtkontext unlogisch. Das hätte man subtiler lösen können. Logik scheint sowieso nicht die Kernkompetenz der Macher von „Gotham“ zu sein.

Bitte stirb endlich!

Der mit Abstand nervigste Charakter ist die Unterweltgröße Fish Mooney – ihr wünscht man ab der Hälfte der Staffel geradezu minütlich den Serientod. Das liegt hauptsächlich an der schwachen Performance von Jada Pinkett Smith. Die Frau von Will Smith macht momentan eher abseits der Leinwand von sich reden, da ihr die diesjährigen Oscar-Nominierten einen zu hellen Teint haben. Für mehr reichts es auch nicht, denn was Smith bei „Gotham“ abliefert, ist Lichtjahre von irgendeiner Auszeichnung entfernt. In Sachen „Overacting“ könnte sogar Nicolas Cage noch was von ihr lernen.
Wofür die Schauspielerin allerdings nichts kann: Die Serienautoren wollen die Figur offensichtlich nicht sterben lassen, was zu absurden Szenen führt, bei denen Mooney aus tödlichen Situationen entkommt, indem sie irgendwas daher quatscht oder Drohungen ausspricht, obwohl sie keine Machtposition inne hat. In einer authentischeren Serie würde so ein Charakter wahrscheinlich einfach abgeknallt werden. Da dies nicht passiert, kommt man im letzten drittel der Staffel nicht mehr aus dem Kopfschütteln heraus und ärgert sich über das unlogische Verhalten der Figuren.

Rise of the Pinguin

Wer seine Sache jedoch richtig gut macht ist Robin Lord Taylor, der Darsteller des aufstrebenden Superschurken Pinguin. Er schafft es, das „ich will mehr sehen“-Gefühl im Zuschauer zu wecken. Zum Glück handelt ein Großteil der Serie von diesem Charakter. Eigentlich könnte „Gotham“ auch „Rise of the Pinguin“ heißen, man würde sich daran nicht stören. Dann wäre es auch nicht so tragisch, dass die eigentlichen Helden der Serie, Gordon und sein Partner Bullock, neben dem Pinguin ganz schön blassen aussehen. So unglaublich es klingen mag: Der Pinguin rettet „Gotham“.

Fazit

Die Grundidee von „Gotham“ ist recht vielversprechend, jedoch taumelt das Ergebnis stetig zwischen „ganz ok“ und „was für ein Mist“. Die erste Staffel fühlt sich mit ihren 22 Episoden zu lange an – ein paar weniger hätten es auch getan.

Im momentanen Serien-Hype kann sich „Gotham“an der starken Konkurrenz nicht messen und reiht sich irgendwo zwischen „Green Arrow“ und „Revenge“ ein. Hoffen wir, die Staffel 2 kann es besser, ansonsten kann man „Gotham“ getrost in die Tonne treten.

Foto: Originalfoto von ign.com – Warner Bros. Television, DC Entertainment & Primrose Hill Productions

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