“Wir haben den geilsten Wagen mit den geilsten Leuten und der geilsten Stimmung”

vorarlberger bodensee narra

Für viele Restösterreicher ist das Faschingstreiben in Vorarlberg und Umgebung nicht so recht nachvollziehbar. Deshalb findet man in der steirischen Heimat unserer Chefredakteurin Cornelia kostümierte “Narren” in großer Zahl höchstens am Faschingsdienstag und vereinzelt noch am Rosenmontag.

“Was, zwoa Täg Fasching? Des isch doch nüt,” raunzt der gestandene Vorarlberger “Mäschgarle”. Denn bei uns hat die 5. Jahreszeit einen ganz anderen Stellenwert. Über mehrere Wochenenden hinweg wird tapfer gefeiert, bis das Spektakel mit dem traditionellen “Kehraus” seinen Ausklang findet.

Hiermit möchten wir allen Respekt zollen, die sich für jeden Umzug aufs Neue in das selbe nach altem Schweiß, Zigaretten und verschüttendem Bier riechende Kostüm zwängen. Nur um am Straßenrand zu stehen und laut “Ore Ore”, oder welchen Faschingsruf man sein eigen nennt, zu brüllen. Gelegentlich schnappt man auch mal einem 6-jährigen ein Bonbon weg, das gerade vor ihm auf dem Asphalt landet. Ihr macht den Fasching erst zu dem, was er ist.

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After Party – das Beste am Fasching

Nachdem die bunten Wagen vorbeigezogen sind, kann man sich getrost zur “After Party” aufmachen. Diese finden leider immer öfter in charakterlosen Festzelten statt und nicht mehr so wie früher in dunklen Tiefgaragen, Feuerwehrkellern oder einfach in irgendeiner ranzigen Bude, in denen der Bass vibriert und die Luft steht. Die zahllosen Schlägereien sollen daran Schuld gewesen sein – oder Brandvorschriften. Dem Faschingnarr ist der Grund egal, er hat Wichtigeres zu tun: feiern.  Darum beschwert man sich nach dem  dritten Kurzen noch etwas über die unrühmliche Lokalität und lässt es dann gut sein. Solange der Alkohol fließt und kitschige Schlagermusik aus den Boxen dröhnt, ist die Welt in Ordnung.

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Faschingsgruppen – die heimlichen Helden

Neben dem Gefolge des Faschingsprinzen oder der Guggamusik müssen auch die verschiedenen Gruppen hart im nehmen sein. Schließlich darf kein Umzug oder Ball ausgelassen werden. Wer das nicht durchhält, hat in einer solchen Gruppe sowieso kein Leiberl, wie der Restösterreicher sagen würde.

Eine besonders hohe Motivation legen wohl diejenigen an den Tag, die in monatelanger Arbeit einen individuellen Themenwagen bauen. Wenn man mal die Möglichkeit bekommt, auf einen Wagen mitzufahren, sollten man dies tun. Nicht nur weil man Passanten mit Bonbons bewerfen kann, sondern weil die Stimmung eine ganz eigene ist – eine besonders gute selbstverständlich. Dafür sorgt der jeweilige Verein, der die Faschingtruppe betreibt. Dazu gehört auch Timo Schneider von den “Vorarlberger Bodensee Narra”. Die „Narra“ findet man auf dem Umzugswagen “König der Löwen”. Wir haben mit Timo gesprochen, um zu erfahren, was ihn und seine Freunde dazu bewogen hat, sich einen eigenen Faschingwagen anzuschaffen.

Timo, beschreibe bitte kurz, wer ihr seid.
Wir sind eine bunt gemischter Haufen aus ganz Vorarlberg. Ich kann es nur immer wieder betonen, wie sehr wir uns freuen solche tollen Menschen bei uns dabei zu haben. Wir haben alle mächtigen Spaß und niemand wird dabei ausgeschlossen. Darauf legen wir sehr viel wert. Unsere Truppe ist einfach Spitze!

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Wieviele „Vorarberger Bodensee Narra“ gibt es?
Aktuell sind wir zirka 35 Mitglieder. Die Tendenz ist steigend, pro Jahr bekommen wir um die zehn Personen dazu. Glücklicherweise haben wir noch genug Platz auf unserem Faschingswagen, auf ihn passen insgesamt 60 bis 70 Leute drauf.

Fasching mag man oder nicht, dazwischen gibt’s nicht viel. Wie würdest du einen Faschingsmuffel davon überzeugen, bei euch auf dem Wagen mitzufahren?
Ganz einfach: Wir haben den geilsten Wagen mit den geilsten Leuten und der geilsten Stimmung. Dazu kommt noch, dass wir einer der günstigsten Faschingswagen im ganzen Land sind. D.h. einmal zahlen und man kann trinken so viel man kann. Wer auf geile Partys steht, kommt an unserem Wagen nicht vorbei.

Natürlich gibt’s auch bei uns ein paar Regeln – ohne die geht’s nirgends. Man muss mind. 16 Jahre alt sein und wir dulden niemanden, der nur auf Stress aus ist. Wie schon gesagt, jeder sollte jeden akzeptieren.

Was hat euch dazu motiviert einen Faschingswagen zu bauen?
Bis vor drei Jahren waren wir öfters Gäste auf anderen Faschingswagen. Das hat uns so begeistert, dass wir uns gemeinsam mit Dominik Helbok – dem jetzigen Besitzer – im Jahr 2014 den langgehegten Traum vom eigenen Wagen erfüllt haben.

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Wie lange seid ihr mit dem Bau beschäftigt?
Da wir zuerst einen alten, aber kompletten Faschingswagen gekauft haben, hatten wir in unserem ersten Jahr nicht sehr viel Arbeit mit dem Umbau. Aber drei Wochen Urlaub gingen schon drauf. Letztes Jahr haben wir den Wagen nochmals verändert, das hat uns wieder eine Menge Zeit und Geld gekostet – ist es aber definitiv wert.

Wieviel Geld muss man – Daumen mal Pi – in die Hand nehmen?
Alleine für den Wagen sollte man schon mit zirka 4.000,– bis 5.000,– Euro rechnen. Bei den Getränken haben wir Sponsoren, die uns unterstützen.

Welche “Special Features” hat euer Wagen?
Eine Menge (lacht). Wir haben zwei Schankanlagen – eine für Bier, die andere für Limo. Zusätzlich haben wir eine Bar im Wagen eingebaut. Laser- und Partylichter dürfen natürlich auch nicht fehlen. Außerdem haben wir zwei richtig fette Nebelmaschinen, die pro Stunde je 1500 ccm Nebel bringen, integriert.
Und für nächstes Jahr steht eine Seifenblasenmaschine auf unserer Wunschliste.

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Obwohl im Fasching sprichwörtlich die Narren regierten, kann man sicher nicht einfach bei einem Umzug mitmachen. Welche Voraussetzungen gibt es dafür?
Ja, klar. Der Wagen wird genau unter die Lupe genommen, wenn alles den Vorschriften entspricht bekommt man ein Pickerl (TÜV). Auch eine Vereinsstruktur wird meistens verlangt. Danach kann man an allen Umzügen teilnehmen.

Bei wievielen Umzügen seid ihr dabei?
Dieses Jahr ist die Faschingszeit leider sehr kurz, deshalb sind es bei uns heuer insgesamt nur sieben Umzüge.

Nächstes Jahr läuft der Fasching wieder etwas länger, dann legen wir voll los und gehen sicher auf über zehn Umzüge. Hauptsächlich sind wir dabei in Vorarlberg unterwegs, aber auch auf dem einen oder anderen Umzug in Deutschland und der Schweiz.

Euer Motto ist der Disney-Film „König der Löwen“. Warum gerade der?
Dieser Film hat uns durch die Kindheit begleitet und er gehört definitiv zu jenen, die man sich immer wieder gerne ansehen kann. Auch nächstes Jahr werden wir dieses Motto nehmen.

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Wie sieht ein typischer Umzugstag aus? Wann geht’s los, wann ins Bett?
Wenn wir jetzt den Umzug in Bregenz als Beispiel hernehmen: Für uns geht’s gegen 11 Uhr los, da man immer eine Stunde früher beim Umzug sein sollte. Abends bist du eh schon müde vom Tag, da geht’s um 22 Uhr ins Bett.

Nervt es auch manchmal, wenn man jedes Wochenende Samstag und Sonntag im Fasching unterwegs ist?
Also wir finden eigentlich nicht, dass es nervt. Bis jetzt hat man sich immer gefreut auf den nächsten Umzug. Klar ist man am Schluss froh, dass es endlich vorbei ist, aber man freut sich gleich wieder auf das nächste Jahr.

Ab wann beginnt ihr für den Fasching 2017 zu planen?
Im Juli wird für die nächste Saison geplant. Da wir schon wieder ziemlich viele Anfragen von neuen Leuten haben, die gerne mitmachen würden, beginnen wir lieber zeitig. 

Fotos: Handout Timo Schneider

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