Kettcar – Ich vs. Wir

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Irgendwann ist irgendwie ein anderes Wort für nie…

…diese Zeilen singt zwar Marcus Wiebusch, der Sänger der Band Kettcar, in ihrem Lied „Benzin und Kartoffelchips“, aber er beweist uns jetzt das Gegenteil. Nachdem im Jahr 2012 eine Pause angekündigt wurde und viele Fans der Überzeugung waren, dass Kettcar kein neues Album mehr veröffentlichen würde, belehrt uns die Hamburger Rockband jetzt eines Besseren. Denn irgendwann ist irgendwie ein anderes Wort für Jetzt!
Kettcar starten mit ihrem neuen Album „Ich vs. Wir“ wieder voll durch. Die elf Songs des Albums sind eine Mischung aus Melancholie und Euphorie. Sie erzählen, jeder auf seine eigene Art und Weise, Geschichten über Solidarität und Zusammenhalt. Und wie der Name der neuen Platte schon sagt, wird auch Individuum (Ich) vs. Masse (Wir) thematisiert.

Das Album startet mit dem Song „Ankunftshalle“, der im ersten Augenblick stark an ihre Hamburger Rockkollegen Revolverheld erinnert. Nach mehrmaligem Abspielen ist das Lied aber nicht mehr wegzudenken und der Text brennt sich ins Gedächtnis.

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„Trostbrücke Süd“ erzählt vom alltäglichen, eintönigen Leben. Von Menschen, die alle demselben Schicksal ergeben sind. Gewünscht ist aber eine bessere Zukunft. Die raue und gleichzeitig soft klingende Stimme von Marcus Wiebusch passt sehr gut zur Thematik. Überzeugt hat mich schlussendlich die letzte Strophe „Wenn du das Radio ausmachst, wird die Scheißmusik auch nicht besser“, die zeigt, dass Probleme nicht gelöst werden können, wenn man den Kopf in den Sand steckt. „Auf den billigen Plätzen“ zeigt eine ärmere Gesellschaft, die zu einer Luxusgesellschaft aufblickt. Zwischen den beiden Gesellschaften liegt ein breiter Graben, der aber nicht vom Träumen eines besseren Lebens abhält.

Eine Mannschaft mit Kampfkraft, die jetzt ihre Chance hat

Diese Chance nutzt die fünfk.pfige Band, indem sie zwischendurch von ihrem gewohnten Genre abweicht und sich neu erfindet. Anstelle von Indie-Rock oder Indie-Pop ist im Lied „Trostbrücke Süd“ ein kurzer und verwirrender Chorgesang zu hören, bevor es wieder wie gewohnt weitergeht. Mit „Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)“ hat die Band eine Mischung aus Pop und Storytelling geschaffen. Die gesprochenen Strophen erinnern nicht etwa an Sprechgesang oder einfache Kommentare, sondern vielmehr an eine Erzählung, die mit passender Musik hinterlegt wurde. Auch wenn dies im ersten Moment seltsam erscheint, passt es sehr gut zum Thema des Songs. Er handelt von einem Fluchthelfer, kurz vor dem Mauerfall und weist auch Parallelen zur heutigen Zeit auf.

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Beim erstmaligen Anhören des Albums „Ich vs. Wir“ bleibt die Welle der Begeisterung erst mal aus. Die Songs verlangen ein genaues Hinhören, ein Mitfühlen und Verstehen der Texte. Am Ende lohnt es sich aber dann doch, die teils politischen Songs mit ihren Mantra-Texten rauf und runter zu hören. Denn haben sie sich erst einmal ins Gedächtnis geschlichen, wird man sie so schnell nicht mehr los.

Anspieltipps:

1. Ankunftshalle
6. Auf den billigen Plätzen
7. Trostbrücke Süd

 

Unsere Bewertung

7 Gesang

8 Melodie

8 Texte

7 Ohrwurm-Gefahr

Kettar - Ich vs. Wir

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