Mando Diao mit „Good Times“ zum Neustart

Sieben Studio-Alben, über 1,5 Millionen Scheiben, die über den Laden- bzw. den Internet-Tisch gewandert sind, rund 1.500 Konzerte in über 30 verschiedenen Ländern: Mando Diao hat’s drauf und faustdick hinter den Ohren.

Die schwedischen Indie-Rocker haben sich gemausert, sehr sogar. Nun sind sie mit ihrem neuesten Album „Good Times“ am Start und eigentlich irgendwie auch am Neu-Start. Gitarrist Gustaf Norén hat nämlich den Hut drauf gehauen und sich von der Band verabschiedet – nach 19 Jahren.

Für Frontman Björn Dixgård und seine Kollegen Carl-Johan Fogelklou, Daniel Haglund und Patrik Heikinpieti zwar eine herbe Erfahrung, aber kein herber Schlag. Der Grund: Mit dem Gitarristen Jens Silverstedt ist ein Neuer ins Schweden-Team auferückt, der aber bei genauerer Betrachtung gar nicht soooo neu ist. Der Grund: als langjähriger Freund von Björn Dixgård gehört er schon länger zur erweiterten „Mando-Familie“.

Heißt: Trotz des Abgangs von Gustaf Norén ist also nun alles wieder Heiti-Deiti-Sonnenschein? Dem Titel des aktuellen Albums (und dem kitschigen Paradise-Cover) nach schon. Schließlich heißt das Ding auch noch „Good Times“. Wir haben die Garagenbandsound-Bengel zum Interview getroffen und uns genau sagen lassen, was sich die Herren der größten schwedischen Rockband aller Zeiten dabei gedacht haben.

Euer aktuelles Album heißt „Good Times“. Das klingt irgendwie so brav. Warum nicht „Curious Times“ oder„Exciting Times“ oder sogar „Fuck off Times“?
Ein Song aus dem aktuellen Album heißt so, also „Good Times“. Deshalb haben wir ihn auch gleich als Titel drauf gepackt. Aber der Song an sich ist eigentlich super dark – und so gar nicht brav in dem Sinne. Wir haben angeschaut, was alles abging auf der Welt dieses Jahr, wie z. B. die US-Wahlen und vieles mehr. Diese Entwicklungen haben wir im Song verpackt und mit den Lyrics gespielt.

Wir wollten unseren Fans ihre „Good Times“ zurückgeben. “Good Times” ist ein Manifest der Liebe und der Freundschaft in finsteren Zeiten.

Nach dem Abgang von Gustav Norén ist „Good Times“ euer erstes Album als „erneuerte“ Band in der neuen Konstellation. Würdet ihr es deshalb als Comeback-Album bezeichnen? Oder mehr als ein Rebirth-Album?
Ich würd’s als Rebirth bezeichnen, oder besser als einen frischen Start. Ich habe mit Björn gerade letzthin genau darüber gesprochen. Klar, wir haben als Band nach so vielen Jahren natürlich auch eine Art Vermächtnis bzw. ein Erbe geschaffen. Aber auf der anderen Seite fühlt sich auch vieles neu an. Fakt ist: Für dieses Album haben wir hart gearbeitet, viele Lyrics geschrieben, viel neues Material produziert. Es ist das erste Album in der neuen Konstellation. Diese Zeit war bzw. ist für uns ein absoluter Energy-Boost. Und ich muss zugeben: Wir waren niemals an einem besseren Ort als Heute was unsere Kreativität betrifft.

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Auf was seid ihr besonders stolz, was das neue Album betrifft? Die Texte, die Songs, die „Tones & Riffs“ …?
Ganz klar auf das Team! Alle Bandmitglieder haben ihren Beitrag geleistet. Wir haben das Album geschrieben, produziert, aufgenommen – einfach alles selbst gemacht. Es war also eine einzige „Family-Affair“, wenn man so will. Dass wir überhaupt die Kapazität dafür haben – darauf sind wir super-mega stolz.

Wer ist bei Mando Diao verantwortlich für die Song-Texte?
Alle und niemand, manchmal eine Person, manchmal alle gemeinsam. Das kann man so nicht sagen. Es gibt Songs, die aus meiner Feder stammen, andere wieder aus Björns, ganz andere kommen von irgendwie allen. Für uns ist jeder Song einzigartig, jedes Lied wird mit dem nötigen Respekt und der nötigen Sorgfalt angegangen. Das beste aus jedem Song rausholen, und zwar so, dass jeder Song für sich selbst steht – das ist das, was wir wollen, wir anstreben. Nicht mehr aber auch ganz sicher nicht weniger.

Neues Album, großer Druck? „Müsst“ ihr immer fantastischische Material liefern? Wie geht ihr damit um?
Den größten Druck machen wir uns selbst – das ist Fakt. Aber das kennt jeder Künstler. Bei uns beginnt dieser „Druck“ schon beim Schreiben. Trotzdem gilt: In erster Linie schreiben wir Songs, die wir selbst hören wollen. Klar, auch die Fans – aber man muss bei sich selbst beginnen. Es muss was sein, mit dem man eine Verbindung hat, das Spaß macht, Groove erzeugt oder – ganz wichtig – Gefühle transportiert.

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Wenn wir zum Beispiel die Songs aufnehmen, haben wir oft eine Range von 40 Songs – so wie z. B. für das aktuelle Album „Good Times“. Was dann folgt, ist wirklich enorm wichtig, gerade zu crucial: Das ist die Picking-Ceremony, also das Aussuchen der Songs, die auf das Album kommen. Hier dürfen und müsse alle mitreden und vor allem mitfühlen. Die Songs, die was mit uns machen, uns was tun vom Gefühl her – die kommen auf das Album.

Wie startet ihr ein neues Album? Gibt’s da spezielle Rituale?
Wir starten einfach – und wir denken da nicht groß daran, intelligente Moves oder so was in der Art zu machen. Das sind wir nicht und waren wir nie. Wir sind alle Songwriter und Musiker, das Starten ist also einfach in uns drin. Wie wenn andere atmen, essen oder auf’s Klo gehen. Für das aktuelle Album „Good Times” war’s aber besonders einfach, wenn man so viel. Björn und ich waren komplett im Einklang, wir hatten mega viel Energie. „Good Times“ haben wir in Mitten unserer Sommertour 2017 geschrieben – das muss man sich mal vorstellen. Es war einfach der positive Boost, den wir zur Zeit spüren. Und der hält an.

Heißt: Man darf sich schon nächstes Frühjahr auf ein neues Album freuen.

Wer ist Mando Diao? Seid ihr „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ oder wie würdet ihr euch als Band beschreiben?
Tja, was soll ich sagen (lacht). Wir lieben es zu Rock’n’Rollen, wir machen gerne Party und wir mögen Frauen. There you go! (schmunzelt)

Wo ist Mando Diao, wenn die Band nicht im Studio ist? Trifft man jemand von euch auch im Supermarkt oder beim Abholen der Kids im Kindergarten?
Gerade weil wir so einen Special-Lifestyle haben, müssen wir runterkommen. Da spreche ich jetzt natürlich für mich, aber den anderen Jungs geht es auch so. Ich persönlich liebe es, mit meiner besseren Hälfte zu kochen, abzuhängen und schlichtweg eine gute Zeit zu verbringen. Familie und Freude sind mir sehr wichtig, Normalität auch. Aber trotzdem gehe ich jeden Tag ins Studio.

Ich liebe den Rock’n’Roll-Lifestyle und brauche das auch. Mittlerweile haben die anderen Jungs auch Kinder. Wir sind alles ausgesprochene Familienmenschen.

Was hört ihr, wenn ihr nicht Mando Diao hört? Ne, im Ernst: Auf was steht ihr sonst noch?
Wir sind absolute Musik-Liebhaber – und da ist das Genre relativ scheissegal. Hauptsache, es „tut was“ mit uns. Björn und ich schicken uns fast täglich neue Spotify-Links, rufen uns an und sagen „hey, hast du dies und jenes schon gehört?“.

Ob Klassik, Techno oder 60’s-Sound: Wir lieben Musik. That’s it. Bei uns darf’s deshalb alles sein. Nein, muss es sogar auch.

Foto: Carlos Barth via Mando Diao

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