cosa Kosmetik: Tierversuchsfreiheit als Business-Model

cosa Kosmetik-Gründerinnen

Corinna Schneider und Sarah Ranak von cosa Kosmetik sind ein wunderbares Beispiel dafür, was dabei rauskommen kann, wenn man aus der Not eine Tugend macht. Die beiden Vorarlbergerinnen waren es leid, jedes Beautyprodukt mit dem Handy zu scannen, um zu überprüfen, ob es tierversuchsfrei ist. Darum gründeten sie selbst einen Onlineshop.

cosa Kosmetik: Corinna Schneider & Sarah Ranak

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Noch so ein Spruch, der mir nach dem Interview mit den zwei Bregenzerwälderinnen von cosa Kosmetik eingefallen ist. Sie haben es sich zum Ziel gemacht, die Welt ein bisschen besser zu machen – ich bin sicher, das gelingt ihnen mit jedem Produkt, das über ihren Ladentisch geht.

cosa Kosmetik – der Name klingt wie cosy … gemütlich, weich … sanft zur Haut … Stimmt meine Herleitung?
Corinna: Hmm – echt schade, dass wir da nicht selber draufgekommen sind (lacht). Ich würde gerne mit »Ja« antworten, aber cosa setzt sich ganz einfach nur aus unseren beiden Namen zusammen: COrinna und SArah (grinst). Wir haben eine gefühlte Ewigkeit mit dem Brainstorming für unseren Namen verbracht und cosa gefiel uns von Anfang an sehr gut. Wir hatten etliche Ideen aber kamen immer wieder zu cosa zurück. Es ist simpel und leicht zu merken und stellt natürlich einen Bezug zu uns her. Wir wollten kein gesichtsloser Shop werden, sondern immer zeigen, dass wir zu 100% hinter dem stehen was wir tun. Deshalb finden wir, dass der Name sehr gut zu uns passt und sind sehr froh, dass wir uns schlussendlich auch dafür entschieden haben.

Entstand die Idee, einen eigenen Shop aufzumachen, aus einer Unzufriedenheit heraus?
Sarah: Ganz genau! Wir standen beide mit unseren Smartphones bewaffnet in den Geschäften und haben geprüft, ob die Produkte tierversuchsfrei sind. Online war’s ähnlich kompliziert – wir mussten umfangreich recherchieren, ob die jeweilige Marke auch über das EU-Gesetz hinaus keine Tierversuche durchführt. Erschwerend kam dann noch hinzu, dass jede Marke auf einen bestimmten Bereich spezialisiert ist und wir somit immer in mehreren Shops bestellen mussten. Dadurch verloren wir nicht nur extrem viel Zeit bei der Recherche, sondern zahlten auch eine Unmenge an Versandkosten.

Corinna: Was mich auch immer sehr gestört hat, war das ständige Durchlesen der Inhaltsstoffe, bei denen man zu 80% sowieso nicht wusste, was es überhaupt ist. Zu der Zeit vermied ich schon Silikon in meinen Haarprodukten und Erdöl bei meinen Gesichtsprodukten. Darum war es mir besonders wichtig, dass wir im cosa Kosmetik-Shop eine Filterfunktion einführen, mit der man nach verschiedenen Eigenschaften wie silikonfrei, erdölfrei, vegan, ohne Palmöl, Naturkosmetik, ohne synthetische Duftstoffe usw. filtern kann.

Jede Kosmetikmarke, die ihre Produkte auf dem chinesischen Festland verkaufen möchte, stimmt  bewusst Tierversuchen zu.

Sarah: Aber nicht nur unsere Unzufriedenheit war der Grund: Wir wollten die Menschen darauf aufmerksam machen, dass trotz EU-Verbot zahlreiche Produkte verkauft werden, deren Inhaltsstoffe weiterhin an Tieren getestet werden. Seit dem 11. März 2013 gibt es ein EU-Gesetz welches besagt, dass Inhaltsstoffe, die unter das Kosmetika-Gesetz fallen nicht mehr an Tieren getestet werden dürfen. Kling soweit nach einem sehr vernünftigen Plan, wenn da nicht diese riesengroße Gesetzeslücke wäre: Es ist nämlich so, dass Inhaltsstoffe in Kosmetika die unter das Chemikaliengesetz fallen auch in der EU weiterhin an Tieren getestet werden dürfen. Somit sind alle Marken, die nicht über das EU-Gesetz hinaus tierversuchsfrei sind, alles andere als tierversuchsfrei. Zudem gibt es auch Marken die zwar keine Tierversuche durchführen, ihre Produkte aber auf dem chinesischen Festland verkaufen. Dort gibt es leider immer noch ein Gesetz, welches vorschreibt, dass importierte Produkte zuerst in grausamen und sinnlosen Tierversuchen getestet werden müssen. Jede Kosmetikmarke, die ihre Produkte also auf dem chinesischen Festland verkaufen möchte, stimmt somit bewusst Tierversuchen zu.

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cosa Kosmetik Sortiment Hygiene

Krass, wenn man sich nicht bewusst mit dem Thema auseinandersetzt, glaubt man, der Angabe »vegan« blind vertrauen zu können. Und wie findet ihr neue Partner?
Corinna: Anfangs haben wir natürlich Marken angeschrieben, von denen wir selbst überzeugt sind. Bei der Suche haben uns aber auch Empfehlungen von Freunden, Kosmetikblogs, Foren usw. geholfen. Manche Marken schreiben uns auch direkt an und möchten gerne mit uns zusammenarbeiten. Weiters kommen auf den Märkten auf denen wir als cosa unterwegs sind immer häufiger regionale Anbieter auf uns zu, die mit uns kooperieren wollen. Wir sind aber auch gerne als Gäste auf Märkten und Messen unterwegs und stöbern uns da durch das Angebot.

Und nach welchen Kriterien sucht cosa Kosmetik seine Partner aus?
Sarah: Uns muss die Marke mit ihren Produkten überzeugen und begeistern – und ich geb’s offen zu: Eine schöne Verpackung ist dabei auch sehr hilfreich (schmunzelt). Wir testen verschiedene Produkte einer Marke durch und versuchen eine gute Mischung an tierversuchsfreien Kosmetik- und Hygieneartikeln bereitstellen zu können. Dass Corinna und ich so unterschiedlich sind, hat sich – wie in vielen anderen Bereichen – auch hier als großen Vorteil erwiesen. Wir haben ganz unterschiedliche Präferenzen, Hauttypen und »Badezimmerrituale«. Darum ist es auch gar nicht so einfach uns beide zu begeistern (lacht).
Wenn uns eine Marke überzeugt hat, muss sie uns vertraglich die Tierversuchsfreiheit aller Inhaltsstoffe (inkl. der Zugekauften) bestätigen und uns zusichern, dass die Produkte nicht nach China exportiert werden. Wenn dies eine Marke nicht kann, wird sie nicht in unser Sortiment aufgenommen.

Musstet ihr schon mal eine Partnerschaft beenden?
Corinna: Nein, zum Glück nicht, wir haben alle Lieferanten mit denen wir gestartet sind immer noch im Sortiment. Natürlich sind einzelne Produkte die uns oder unsere Kunden doch nicht ganz überzeugen konnten aus dem Sortiment gefallen, aber die Partner sind alle geblieben und noch manche dazu gekommen.

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cosa Kosmetik

Kann man eure Produkte nur online kaufen?
Sarah: Nein, wir freuen uns auch sehr über Besuch in unserem Ausstellungsraum in Lingenau. Hier können sich Kunden durch unser Sortiment testen, direkt vor Ort einkaufen und sich mit uns über unsere Produkte und das Thema Tierversuche in Kosmetika unterhalten. Natürlich können bei uns auch Online-Bestellung abgeholt werden, damit die Versandkosten entfallen.
cosa Kosmetik hat derzeit keine fixen Öffnungszeiten – der Ausstellungsraum ist also immer dann geöffnet, wenn gerade jemand von uns im Büro ist. Da es aber auch vorkommt, dass wir auf Außenterminen sind, empfehlen wir, einfach kurz bei uns anzurufen (+43 660 8671693) oder ein E-Mail zu senden, um sicherzugehen, dass wir zum gewünschten Zeitpunkt im Büro sind. Auf Anfrage vereinbaren wir natürlich auch gerne einen Termin außerhalb der üblichen Bürozeiten.

Corinna: Wir sind zudem sehr gerne auf verschiedenen Märkten unterwegs, damit sich auch Kunden die nicht in direkter Umgebung wohnen durch unsere Produkte testen können. Es ist auch immer eine tolle Gelegenheit Feedback zu erhalten und die Personen, die hinter den Onlinebestellungen stecken persönlich kennenzulernen.

Auf welchen Märkten findet man cosa Kosmetik in diesem Jahr?
Sarah: Am 27. und 28. Jänner 2018 stellen wir auf der Veganmania in Innsbruck aus. Wir sind schon sehr gespannt, da dies für uns der erste Markt in Tirol sein wird. Am 10. und 11. März 2018 sind wir wieder bei der Veggie Planet in Bregenz mit dabei. Ansonsten möchten wir natürlich dem Finest #3 Designmarkt in Andelsbuch und dem Fesch’Markt in Feldkirch treu bleiben und hoffen jetzt nur noch, dass uns auch die Veranstalter wieder mit dabei haben möchten (lacht).

Ihr habt auch Produkte für Männer. Sind die denn auch so kritisch gegenüber Tierversuchen wie Frauen?
Corinna: Ja, ich denke da gibt es keinen Unterschied, nur bei manchen Männern fehlt ein bisschen die Begeisterung für Kosmetikprodukte (lacht). Natürlich ist der Großteil unserer Kunden weiblich aber das hängt sehr wahrscheinlich mit dem Online-Kaufverhalten vieler Männer im Bereich Hygieneartikel zusammen. Wir sehen auch ganz oft an den Bestellungen, dass viele Frauen für ihre Männer Produkte mitbestellen. Aber wir haben auch männliche Stammkunden und sind sehr glücklich darüber.

Sind Kinderprodukte bei cosa Kosmetik in Planung?
Sarah: Wir haben bereits wenige Produkte in unserem Shop, die speziell für Kinder entwickelt wurden: zB Kinder-Bambuszahnbürsten, Zahncreme, Sonnencreme, Shampoo und Duschgel. Jetzt, da sich gerade mein GESAMTER Freundeskreis über Nachwuchs freuen darf, haben wir uns aber natürlich schon etwas intensiver damit beschäftigt (lacht). Wir arbeiten also daran und berichten dann gerne auf unserer Website, im Newsletter und auf den Social Media-Kanälen über Neuigkeiten.

Super, ich freu mich drauf. Habt ihr Pflegetipps für unsere Leser?
Corinna: Auch wenn wir uns selbst nicht immer daran halten: ausreichend Wasser trinken und genug Vitamine und Mineralstoffe zu sich nehmen. Mein zweiter Tipp ist nicht unbedingt ein Beauty-Tipp – macht aber trotzdem schön und ist für uns extrem wichtig.
Egal wie stressig es ist: Man sollte versuchen, sich jeden Tag ein bisschen Zeit für sich zu nehmen und etwas tun, was einem Spaß macht. Ich finde kein Beauty-Tipp hilft so gut, wie eine positive Ausstrahlung von Innen heraus.

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cosa Kosmetik Chefinnen

Was war euer Bestseller 2017?
Sarah: Das war online ganz klar die Bambuszahnbürste in den verschiedensten Farben, da diese wirklich ein Blickfang im Bad ist und zur Plastikmüllvermeidung beiträgt. Die Zahnbürste wird auch immer wieder zusammen mit dem passenden Bambus-Etui als perfekter Begleiter für Reisen entdeckt oder im Set als Gastgeschenk oder kleine Aufmerksamkeit verschenkt.
Auf den Märkten war bis jetzt immer die Deocreme »A Perfect Match(a)« ausverkauft. Wir beide benutzen selbst die Cremedeos von Ponyhütchen und sind begeistert. »A Perfect Match(a)« ist ein frischer Unisex-Duft mit hölzernen Noten, grünem Tee und Citrus-Düften, von dem so gut wie jeder begeistert ist.

Und was kommt 2018 Spannendes auf cosa Kosmetik zu?
Corinna: Das wüssten wir auch gerne! Wir hoffen es kommen viele schöne Momente sowie ganz viel Austausch mit unseren Kunden auf uns zu. Wir haben so manches geplant, aber das möchten wir jetzt noch nicht verraten – es soll ja eine Überraschung bleiben (grinst).

Letzte Frage: Wascht ihr eurem Modelhund Loona tatsächlich mit euren Produkten die Haare?
Sarah: Haha, nein (lacht). Die meisten unserer Shampoos sind sehr sanft – das würde deshalb sicher klappen. Loona bevorzugt hier aber ganz klar die 100% natürlichen Kräfte von kühlendem Schnee oder einem pflegenden Sandpeeling und anschließendem Wasserbad in der Subersach.

Fotos: Handout cosa Kosmetik

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